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Donnerstag, 26.05.2016

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Vorläufiges Finanzergebnis 2015

Kassen mit 1,14 Milliarden Euro im Minus - Rücklagen schrumpfen weiter

08.03.2016·Trotz Zusatzbeiträge haben die Krankenkassen das Jahr 2015 mit einem Fehlbetrag abgeschlossen. Die Rücklagen der Kassen und des Gesundheitsfonds verloren gleichzeitig über vier Milliarden Euro. Hinzu kommt eine Schräglage zwischen den Kassenarten. So kritisieren vor allem die Betriebskrankenkassen Fehlsteuerungen beim Finanzausgleich.

Die Krankenkassen haben im Jahr 2015 erneut mehr ausgegeben als eingenommen. Nach dem vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Montag veröffentlichten vorläufigen Finanzergebnis überstiegen die Ausgaben der Kassen mit rund 213,56 Milliarden Euro die Einnahmen in Höhe von rund 212,42 Milliarden Euro um insgesamt 1,14 Milliarden Euro. Das Defizit fällt damit ähnlich hoch aus wie 2014 (etwa 1,1 Milliarden Euro). Die Finanzsituation der Kassen ändert sich damit deutlich. Während sie von 2011 bis 2013 Rücklagen in Milliardenhöhe aufbauten, werden diese nun zur Finanzierung von Reformen und zur Subventionierung von Zusatzbeiträgen abgeschmolzen. Alleine die Erhebung eines kostendeckenden Zusatzbeitrages hätte den gesetzlich Versicherten sonst weitere 900 Millionen Euro abverlangt, so die Berechnungen des Ministeriums. Die Gesamt-Reserve der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beträgt zum Jahreswechsel 2015/2016 noch insgesamt rund 24,5 Milliarden Euro (Kassen: 14,5 Milliarden Euro, Gesundheitsfonds: 10,0 Milliarden Euro).
Rücklagen in zwei Jahren um 20 Prozent abgebaut
Die Defizite der Kassen in den Jahren 2014 und 2015 gingen mit einer deutlichen Abschmelzung der hohen Rücklagen in der GKV einher. So verfügten die Kassen, zusammen mit dem Gesundheitsfonds, bis Ende 2013 über Rücklagen in Höhe von 30,3 Milliarden Euro (Kassen: 16,7 Milliarden, Gesundheitsfonds: 13,6 Milliarden). Ende 2014 betrugen sie noch 28,6 Milliarden Euro (Kassen: 16,0 Milliarden, Gesundheitsfonds: 12,6 Milliarden). Binnen zwei Jahren wurden die Rücklagen damit um knapp 20 Prozent (5,8 Milliarden Euro) auf 24,5 Milliarden Euro abgebaut.
Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Bei einer differenzierten Betrachtung nach Krankenkassenarten ergibt sich für 2015 folgendes Bild: Die AOKen verbuchten bei Finanz-Reserven von rund 6,4 Milliarden Euro einen Überschuss von rund 9 Millionen Euro. Bei den Ersatzkassen (Rücklagen Ende 2015: rund 4,3 Milliarden Euro) überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um rund 532 Millionen Euro, bei den BKKn (Rücklagen Ende 2015: 2,1 Milliarden Euro) um 287 Millionen Euro und bei den IKKn (Rücklagen Ende 2015: 1,1 Milliarden Euro) um rund 346 Millionen Euro. Die Knappschaft-Bahn-See schloss mit einem Defizit von rund 20 Millionen Euro, die Landwirtschaftliche Krankenversicherung, die nicht am Gesundheitsfonds teilnimmt, erzielte einen Überschuss von 34 Millionen Euro.

Der Vorsitzende des BKK-Dachverbandes, Franz Knieps, nennt für das Ergebnis zwei Ursachen. Zum einen sei die Anhebung von Zusatzbeiträgen aus Wettbewerbsgründen lange hinausgezögert worden, um einseitige Belastungen der Versicherten zu vermeiden und Übertritte zu anderen Kassen zu verhindern. Ein weiterer Grund seien die Zuweisungskriterien aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (M-RSA), die eine Kassenart - die AOKen - in einen Vorteil versetze. Trotz unterdurchschnittlicher Zusatzbeiträge sei es dem AOK-System gelungen, Defizite zu vermeiden. Für mehr Gerechtigkeit seien hier "nur kleinere Justierungen" notwendig, so Knieps.

Gesundheitsfonds und Liquiditätsreserve

Beim Gesundheitsfonds überstiegen die Ausgaben in Höhe von 208,62 Milliarden Euro die Einnahmen in Höhe von 206,17 Milliarden Euro. Das Defizit von damit rund 2,46 Milliarden Euro erkläre sich durch die Absenkung des Bundeszuschusses zum Zwecke der Konsolidierung des Bundeshaushalts um 2,5 Milliarden Euro (vgl. "Links zum Thema"). Die Liquiditätsreserve des Fonds schmolz damit Ende 2015 auf rund 10 Milliarden Euro.

Ausgaben steigen weniger stark als im Vorjahr

Der Ausgabenzuwachs im Jahr 2015 betrug 3,7 Prozent (je Versicherten). 2014 hatte der Zuwachs noch bei 5 Prozent und im 1. Halbjahr 2015 bei 3,9 Prozent gelegen. Die Ausgabensteigerungen haben sich somit im 2. Halbjahr 2015 weiter abgeflacht. Die Leistungsausgaben je Versicherten stiegen dabei um 3,8 Prozent (2014: 5,3 Prozent), die Verwaltungskosten um 3,2 Prozent. Die absoluten Ausgabenzuwächse liegen laut BMG höher, da die Versichertenzahlen auch in 2015 deutlich gestiegen sei.

Entwicklungen in einzelnen Leistungsbereichen
Alle Zuwächse beziehen sich - wenn nicht anders ausgewiesen - auf die Entwicklung "je Versicherten" und bilden nicht die absolute Steigerung ab.

Arzneimittel
Nach einem Zuwachs von 9,4 Prozent je Versicherten im Jahr 2014 sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im Jahr 2015 um 3,9 Prozent gestiegen (absolut: knapp 1,7 Milliarden Euro bzw. 4,6 Prozent). Auffällig seien hohe Ausgaben für Arzneimittel gegen Hepatitis C (rund 1,3 Milliarden Euro). Entlastet wurden die Kassen durch Rabattvereinbarungen mit den Herstellern (rund 3,61 Milliarden Euro, 2014: 3,15 Milliarden Euro).

Ambulante Behandlung
Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben um rund 3,9 Prozent. Die ärztlichen Honorare für GKV-Versicherte stiegen damit insgesamt um rund 1,6 Milliarden Euro. Bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung und Zahnersatz betrug der Anstieg 2,9 bzw. 1,3 Prozent.

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen in 2015 um 3,1 Prozent. Insgesamt erhielten die Krankenhäuser hierdurch im vergangenen Jahr allein von den gesetzlichen Krankenkassen um rund 2,5 Milliarden Euro mehr als 2014.

Krankengeld
Die Zuwächse beim Krankengeld haben sich 2015 mit einem Plus von 5,1 Prozent abgeflacht. In den letzten zehn Jahren hatten sich die Krankengeldausgaben der GKV bei einem Volumen von aktuell 11,2 Milliarden Euro nahezu verdoppelt.

Heil- und Hilfsmittel
Bei den Heilmittelausgaben verbuchten die Krankenkassen einen überproportionalen Ausgabenanstieg von 6,5 Prozent; bei den Hilfsmittelausgaben einen geringen Zuwachs von 1,2 Prozent.

Prävention
Die Ausgaben für Präventionsleistungen kletterten 2015 insgesamt um 8 Prozent. Die Ausgaben für Leistungen zur primären Prävention nach dem Individualansatz stiegen um 4,3 Prozent, für betriebliche Gesundheitsförderung um 15 Prozent und für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten um 16 Prozent.

Verwaltungskosten
Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind in 2015 rund 3,2 Prozent gestiegen. Nach moderaten Zuwächsen in den Vorjahren ist dieser Zuwachs nach Ausführungen des BMG zu einem erheblichen Teil durch einen Sondereffekt zu erklären: Danach habe eine große Krankenkasse vor dem Hintergrund ihrer finanziellen Möglichkeiten zusätzliche Rückstellungen für zukünftige Versorgungsbezüge ihrer Mitarbeiter in einer Größenordnung von rund 250 Millionen Euro gebildet. Hierum bereinigt wären die Verwaltungskosten zum Vorjahr insgesamt lediglich um knapp 1 Prozent gestiegen.

 

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