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Freitag, 22.09.2017

Mitteilung

AOK Baden-Württemberg|10.07.2017

PRESSEMITTEILUNG

Deutsche: Medikamente zu teuer - Politik soll handeln

Stuttgart·77 Prozent der Deutschen wollen, dass die Politik mehr gegen hohe Arzneimittelpreise tut, so der SPIEGEL. Zu Recht: Gerade patentgeschützte Medikamente sind in Deutschland vielfach deutlich teurer als im europäischen Ausland. Ein hausgemachtes Problem: Anders als in vielen anderen Ländern, dürfen die Hersteller die Kosten neuer Präparate selbst bestimmen. Auch wenn später festgestellt wird, dass der Preis nicht angemessen war, ist die Differenz zwischen "Mondpreis" und angemessenem Preis durch den Hersteller grundsätzlich nicht zurück zu zahlen. "Die aktuelle Gesetzeslage lädt die Pharma-Industrie ein, zu einem Preis anzubieten, der die Gewinne, die früher bei Neueinführungen über viele Jahre hinweg erzielt wurden, bereits in einem Jahr ermöglicht - und das auf Kosten der Versicherten", so Frank Wienands, Arzneimittel-Experte der AOK Baden-Württemberg. Hier müsse die kommende Bundesregierung handeln. "Für neue Medikamente müssen die Preise zudem zwischen den Herstellern und den Kassen regional verhandelbar sein - und zwar ab dem ersten Tag."

Wie erfolgreich und wirkungsvoll regionale Verträge zwischen Pharmaunternehmen und Krankenkassen sind, zeigen die Arzneimittelrabattverträge, die die AOK Baden-Württemberg für die AOK-Gemeinschaft vor zehn Jahren durchgesetzt und seitdem konsequent weiterentwickelt hat. "Allein 2016 ist es uns gelungen, unsere Versicherten in Baden-Württemberg um 213 Millionen Euro zu entlasten, indem wir in ihrem Interesse Verträge mit einzelnen Arzneimittelherstellern getroffen haben", rechnet Wienands vor. "Der überwiegende Teil davon entfällt auf den patentfreien Markt. Im patentgeschützten Bereich sind die Einsparpotenziale sogar um ein Vielfaches höher." Über 800 Millionen Euro gebe die AOK Baden-Württemberg mittlerweile jährlich für Arzneimittel mit einem Packungspreis von über 500 Euro aus. "Wir gehen davon aus, dass dieser Hochpreismarkt noch in der kommenden Legislaturperiode mehr als die Hälfte der GKV-Arzneimittelausgaben ausmachen wird", so Wienands.

Pressekontakt:

Kurt Wesselsky
Pressesprecher
Telefon: 0711 2593-229
Mobil: 01520 1568720
Fax: 0711 2593-100
E-Mail: presse@bw.aok.de


 

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