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Donnerstag, 14.12.2017

Mitteilung

Bundesärztekammer|19.09.2017

PRESSEMITTEILUNG

Niedersachsen: "Zulassungsverfahren zum Medizinstudium reformieren"

Hannover·Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker fordert eine weniger starke Fokussierung auf die Abiturnote / Soziale Kompetenz und Empathie für den Arztberuf sollen mitentscheiden / Öffentliche Anhörung des Bundesverfasssungsgerichts am 4. Oktober 2017

"Die Eignung für den Arztberuf manifestiert sich nicht nur in der Abiturnote. Entscheidend sind auch die soziale Kompetenz, die Empathie für den Umgang mit Patienten und Ihren Krankheiten sowie einschlägige Berufserfahrungen", sagt die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Dr. med. Martina Wenker. Das aktuelle Zulassungsverfahren betrachtet sie als nicht mehr zeitgemäß. "Ich begrüße es sehr, dass sich das Bundesverfassungsgericht derzeit mit der Frage befasst, ob der Numerus clausus als Zulassungsvoraussetzung für das Medizinstudium mit dem Grundgesetz vereinbar ist." Die Richter in Karlsruhe werten gegenwärtig die Meinungen von Hochschulen, Verbänden und Gewerkschaften aus. Am 4. Oktober wird es eine öffentliche Anhörung geben.

Im Moment gilt für die zentrale Vergabe von Studienplätzen in der Humanmedizin ein Quotensystem: Ein Fünftel der Studienplätze geht an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, ein weiteres Fünftel wird über Wartezeiten vergeben, die inzwischen bereits mehr als sieben Jahre betragen. Über die Vergabe der weiteren Studienplätze entscheiden die Hochschulen selbst. Im Wintersemester 2014/2015 standen für 43.000 Bewerber allerdings nur 9.000 Studienplätze zur Verfügung.

"Sicher ist die Abiturnote nach wie vor der beste Prädiktor für die Eignung zum Medizinstudium, denn wer in der Schule mühelos gelernt hat, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Medizinstudium tun. Aber die Zulassung für das Medizinstudium darf nicht nur nach numerischen Kriterien erfolgen", sagt Dr. Wenker. "Wer zum Beispiel in Gesundheitsfachberufen bereits sehr erfolgreich arbeitet, das Abitur mitbringt und sich mit großer Motivation für den Arztberuf weiterqualifizieren möchte, sollte auch die Chance erhalten, sich in einem gut strukturierten Auswahlverfahren für das Studium der Humanmedizin zu empfehlen."

Das Bundesverfassungsgericht wurde durch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingeschaltet. Die Richter in Gelsenkirchen meinen, die Abiturnote spiele eine zu bedeutende Rolle für die Studienplatzvergabe. Das sieht auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) so. Nach seiner Meinung könnten die Studienmotivation und die charakterliche Eignung, die für ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis erforderlich sei, nicht allein durch die Abiturnote abgebildet werden. Eine ähnliche Position bezieht auch der Berufsverband Marburger Bund, der die Interessen der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands vertritt. Er möchte ebenfalls die Faktoren Sozialkompetenz und Motivation stärker berücksichtigt sehen.

"Des Weiteren ist zu beachten, dass die Durchschnittsnoten der Abiturzeugnisse im Vergleich der Bundesländer erheblich differieren, und zwar um bis zu einer halben Note", sagt Dr. Wenker. Ein neues Zulassungsverfahren müsse auch einen objektiveren Vergleich der Bewerber bundesweit ermöglichen.

Um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, bedürfe es außerdem einer Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze. "Ich fordere die Politik dazu auf, die Weichen für zusätzlich 1.000 Medizinstudienplätze zu stellen - und zwar jetzt!", erklärt Dr. Wenker. Ansonsten sei die ärztliche Versorgung besonders auf dem Land bereits mittelfristig gefährdet. "Mehr Studienplätze sind nötig, weil auf Seiten der Ärzteschaft bereits in den kommenden zehn bis 15 Jahren eine große Ruhestandswelle auf uns zukommt und eine moderne Gesellschaft mit mehr Teilzeitarbeitsplätzen deutlich mehr ärztliches Personal erfordert."

www.aekn.de

Pressekontakt:

Thomas Spieker, M.A.
Pressesprecher
Tel.: 0511/380-2283
thomas.spieker@aekn.de


 

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