
Halbjahres-Defizit: Kassen mit knapp 1 Milliarde Euro im Minus Trotz gestiegener Beitragseinnahmen der Kassen schließen diese das 1. Halbjahr 2008 mit einem Defizit von 944 Millionen Euro ab. Bis Jahresende rechnet das Gesundheitsministerium mit einem "annähernd" ausgeglichenen Finanzergebnis. Die gesetzlichen Krankenkassen haben das erste Halbjahr 2008 mit einem Defizit von 944 Millionen Euro abgeschlossen. Von Januar bis Juni 2008 betrugen die Einnahmen der Kassen 78,30 Milliarden Euro, die Ausgaben dagegen 79,24 Milliarden Euro. Dies teilte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am Dienstag in Berlin mit. Zum Jahresende rechnet Ministerin Ulla Schmidt (SPD) mit einem "annähernd ausgeglichenen Finanzergebnis". Sie begründete dies mit den zu erwartenden Mehreinnahmen aus Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld in der zweiten Jahreshälfte.
Ergebnis rund 1,25 Mrd. Euro schlechter als 2007
Zur Jahreshalbzeit schnitten die Kassen damit deutlich schlechter ab als noch im Vorjahr. 2007 erzielten die Kassen bis Ende Juni einen Überschuss von rund 307 Millionen Euro (vgl. "Links zum Thema"). Bei dem diesjährigen Defizit von 944 Millionen Euro also insgesamt gut 1,25 Milliarden Euro mehr als im laufenden Jahr. Und dies obwohl das Beitragsaufkommen der Kassen im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent gestiegen ist. Bei den beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder, die dem Beitragsaufkommen der Kasse zu Grunde liegen, gab es laut Ministerium mit einem Zuwachs von 2 Prozent je Mitglied (1. Halbjahr 2007: 0,6 Prozent) sogar den stärksten Anstieg seit Mitte der 90er Jahre. Dennoch blieb der Einnahmezuwachs der Kassen hinter dem Wachstum der Ausgaben für die medizinische Versorgung deutlich zurück, teilte das BMG mit.
Starker Ausgabenanstieg bei Arzneimitteln
Die Leistungsausgaben sind im 1. Halbjahr 2008 mit 4,5 Prozent je Mitglied gestiegen. Dabei ist die Entwicklung der Ausgaben in den einzelnen Leistungsbereichen sehr unterschiedlich verlaufen. Handlungsbedarf sieht das BMG insbesondere bei den Kosten für Arzneimitteln. Diese stiegen zum Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent (ohne Impfkosten). Der Anstieg bei den Krankenhausausgaben lag im 1. Halbjahr 2008 bei 3,0 Prozent je Mitglied. Er ist damit deutlich höher als im Vergleichzeitraum des 1. Halbjahres 2007 (0,7 Prozent). Die Kosten für ambulante Behandlungen stiegen um 3,5 Prozent, die für Krankengeld sogar um 7,5 Prozent. Der Anspruch auf Krankengeld entfällt für Selbstständige jedoch ab dem Jahr 2009 (vgl. "Links zum Thema"). Eine detaillierte Aufstellung der Finanzergebnisse nach Leistungsbereich finden Sie unter "Links zum Thema".
Entschuldung der Krankenkassen bis Ende 2008
Trotz der vorliegenden Finanzergebnisse geht das BMG davon aus, dass sämtliche Kassen bis Ende 2008 entschuldet sein werden. Insbesondere die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) hätten in den ersten sechs Monaten des Jahres leichte Überschüsse erzielt, die sich im Jahresverlauf noch weiter erhöhen würden. Der weit überwiegende Teil der Krankenkassen verfügte nach Angaben des Ministeriums bereits Ende 2007 wieder über positive Finanzreserven. Während die gesetzlichen Kassen insgesamt Ende 2003 noch Nettoschulden von sechs Milliarden Euro auswiesen, hätte sich dieser Wert Ende 2007 in ein Nettovermögen von 3,5 Milliarden Euro gewandelt. Links zum Thema: Vergleich: Halbjahresergebnis der Kassen im Jahr 2007 Selbstständige verlieren 2009 Anspruch auf Krankengeld
Downloads: Finanzergebnisse nach Leistungsbereichen (PDF) Finanzergebnisse nach den Kassenarten (PDF)

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