
WIdO-Umfrage: "IGeL"-Umsatz erreicht Milliardengrenze Zusätzlich zu den Kassenleistungen setzen immer mehr gesetzlich Versicherte auf "Individuelle Gesundheitsleistungen". Nach einer Hochrechnung des WIdO zahlen Patienten dafür rund eine Milliarde Euro in den Arztpraxen. Gesetzlich Krankenversicherte bezahlen Untersuchungen und einzelne Behandlungen immer häufiger aus eigener Tasche. Jeder vierte GKV-Versicherte (26,7 Prozent) hat im Laufe der letzten zwölf Monate "Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) angeboten bzw. in Rechnung gestellt bekommen, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Dienstag in Bonn mit. Die aktuellen Zahlen, so WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber, seien damit im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Hochgerechnet werde mit IGeL derzeit ein Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielt. Zur Analyse der Entwicklung im IGeL-Markt hat das WIdO im Zeitraum Juni/Juli 2008 bundesweit 3.000 gesetzlich Versicherte telefonisch befragt.
Fachärzte liegen vor Allgemeinmedizinern
Fachärzte machen der Analyse nach insgesamt deutlich mehr private Leistungsangebote als Allgemeinmediziner. Am häufigsten hätten Gynäkologen und Hautärzte IGeL-Leistungen angeboten. An dritter Stelle werden die Augenärzte genannt, gefolgt von Orthopäden und Urologen. Die Initiative zu individuellen Gesundheitsleistungen gehe dabei meist vom Arzt aus (67,1 Prozent), ein Drittel der Betroffenen (32,4 Prozent) gab jedoch an, von sich aus nach Selbstzahlerleistungen gefragt zu haben. Zu den Leistungen, die am häufigsten von Ärzten angeboten wurden, zählen nach WIdO-Angaben insbesondere Ultraschalluntersuchungen (19,1 Prozent), Augeninnendruckmessungen (12,7 Prozent) und ergänzende Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bei Frauen (12,1 Prozent), aber auch Knochendichtemessungen und Laborleistungen.
Patienten mit höherer Bildung IGeLn mehr
Wie auch in den früheren Untersuchungen festgestellt, zeigt sich laut WIdO eine deutliche soziale Differenzierung beim Angebot von IGeL: Patienten mit überdurchschnittlicher Bildung und höherem Einkommen bekommen IGeL deutlich häufiger angeboten als andere. So bekam in den unteren Einkommensgruppen (bis 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) nur etwa jeder Fünfte Privatleistungen vorgeschlagen (18,7 Prozent), während in den höheren Einkommensgruppen (über 4.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) mehr als ein Drittel der Befragten (39,1 Prozent) über ein individuelles Angebot ihres behandelnden Arztes berichtet. Patienten mit hoher Schulbildung werden nahezu doppelt so häufig private Zusatzleistungen angeboten (32,4 Prozent) als Patienten mit einfacher Schulbildung (17,8 Prozent).
Auf Vereinbarung und Rechnung achten
Aus der Untersuchung ergab sich laut WIdO jedoch auch eine Verunsicherung bei den Patienten. Bei 62,2 Prozent der "individuellen Gesdundheitsleistungen" fehlte demnach die erforderliche schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient im Vorfeld der Behandlung. Jede sechste erbrachte Leistung (15,9 Prozent) erfolgte den Patientenangaben nach ohne Rechnung. Um Irritationen und Spannungsfelder zwischen Arzt und Patient bei der Nutzung von IGeL-Angeboten zu vermeiden, sollte deshalb auf Punkte wie die ärztliche Information über die Notwendigkeit der Leistung, der Behandlungsvertrag sowie die nach der GOÄ erstellte Rechnung mit Quittung eingehalten werden (Tipps dazu auch unter "Links zum Thema"). Links zum Thema: TIPPs zur Inanspruchnahme von IGeL-Angeboten Hautkrebsvorsorge: Jährlicher Check bleibt zur Hälfte IGeL

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