
Studie: Zusatzbeitrag verdreifacht Bereitschaft zum Kassenwechsel Nach einer Marktforschungsstudie könnte der künftige Zusatzbeitrag den bisherigen kassenindividuellen Beitragssatz in seiner Wettbewerbswirkung beerben. Verglichen mit der "natürlichen Fluktuation" einer gesetzlichen Krankenkasse nimmt die Abwanderungsbereitschaft ihrer Mitglieder mit der Erhebung eines Zusatzbeitrages von bis zu acht Euro um das Dreifache zu. Dies geht aus der aktuellen Studie "Markttracking Gesundheitsfonds" des Berliner Marktforschungsinstituts psychonomics AG hervor. Die Erhebung von Zusatzbeiträgen direkt bei den Mitgliedern ist eine Folge des Gesundheitsfonds ab 2009. Danach sind Krankenkassen, die ihre Ausgaben mit den Zuweisungen aus dem Fonds nicht decken können, zur Festlegung von Zusatzbeiträgen verpflichtet. Dieser Fall gilt als wahrscheinlich, da eine Kostendeckung durch den Fonds nur im Jahr der Einführung vorgesehen ist. Macht eine Kasse dagegen Überschüsse, kann sie diese als Prämie an die Versicherten auszahlen. Die Arbeitgeber sind weder an der Finanzierung der Zusatzbeiträge noch an der Erstattung von Prämien beteiligt.
Wechselbereitschaft bei IKK und BKK am höchsten
Die stärkste Wechselneigung vor diesem Hintergrund zeigen der Studie zu Folge die Mitglieder der Innungskrankenkassen (IKK), gefolgt von den Betriebskrankenkassen (BKK), den Ortskrankenkassen (AOK) und den Ersatzkassen (z. B. BEK, DAK, TK, KKH, GEK). Überdurchschnittlich wechselbereit sind vor allem die unter 50-jährigen Versicherten. Grundsätzlich bevorzugten die Bundesbürger mehrheitlich solche Krankenkassen, die mögliche Überschüsse in Form von Prämien an ihre Versicherten ausschütten (56 Prozent), für viele (44 Prozent) seien aber auch zusätzliche Versicherungsleistungen attraktiv.
Gesundheitsfonds überwiegend skeptisch bewertet
Obwohl sich jeder zweite gesetzlich krankenversicherte Bundesbürger noch kein abschließendes Urteil zutraut, so die Studie, werde der Gesundheitsfonds überwiegend skeptisch beurteilt: Zwei Drittel der Kassenmitglieder gingen davon aus, dass der im November von der Bundesregierung zu verkündende einheitliche Beitragssatz zu einer deutlichen Kostensteigerung führen wird. Mehr als jeder Zweite erwarte zudem ein (weiter) abnehmendes Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und bezweifelt die Gerechtigkeit und Solidarität der Neuregelungen. Ein Drittel der GKV-Versicherten lehne die Vereinheitlichung der Beitragssätze sogar rundweg ab.
Information der Bürger hauptsächlich über Medien
Generell seien mittlerweile drei Viertel (73 Prozent) der gesetzlich Krankenversicherten über die Einführung des Gesundheitsfonds informiert, im März dieses Jahres wären dies erst 53 Prozent gesesen. Auf das Thema aufmerksam geworden seien die GKV-Mitglieder bislang ganz überwiegend über die Medien - die Krankenkassen selbst hielten sich mit der Information ihrer Versicherten hingegen noch stark zurück. Links zum Thema: Arbeitgeber warnen Kassen vor Prämien-Auszahlungen Studie: Zusatzbeitrag verzerrt Kassenwettbewerb Von der Leyen ruft zum Boykott teurer Kassen auf Gesundheitsfonds: Kassen stehen vor Strategiewechsel Kassen befürchten Rekordwert für "einheitlichen Beitragssatz"

|
Aktuelle News - kostenfrei per E-Mail
|
|

|