
Umfrage: Vertrauen in Gesundheitsversorgung schwindet Während das Vertrauen in das Gesundheitssystem weiter abnimmt, gelingt es der Regierung offenbar nicht, die Bürger vom Gesundheitsfonds zu überzeugen - knapp ein Viertel weiß noch gar nichts von dessen Einführung in fünf Wochen. Die Gesundheitsversorgung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren nach Ansicht der Mehrheit der Bürger verschlechtert. 60 Prozent der Menschen sind der Meinung, die medizinische Versorgung sei nicht mehr so gut wie noch vor zwei bis drei Jahren. Innerhalb der Ärzteschaft sehen 57 Prozent eine negative Entwicklung. Der Gesundheitsfonds leiste dieser nochmals Vorschub. Dies sind die Kernergebnisse einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Unterstützt wurde die vom Finanzdienstleister MLP beauftragte repräsentative Studie von der Bundesärztekammer (BÄK).
Mehrheit der Deutschen: "Zwei-Klassen-Medizin" wird zunehmen
Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems insgesamt beurteilen 59 Prozent (Ostdeutschland: 49 Prozent) der Bevölkerung als "gut" oder "sehr gut" - 5 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und 23 Prozentpunkte weniger als 1994. Große Skepsis besteht über die Zukunft des Gesundheitssystems, so die Ergebnisse der Umfrage. Lediglich 16 Prozent der Bürger (2005: 23 Prozent) und 15 Prozent der Ärzte glauben demnach, dass es der Politik gelingt, auch längerfristig eine gute Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Dabei rechnen 82 Prozent der Bürger mit steigenden Beiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und rund drei Viertel mit weiter erhöhten Zuzahlungen für Medikamente in den nächsten zehn Jahren. Dass es dabei zunehmend zu einer "Zwei-Klassen-Medizin kommt", erwarten 69 Prozent der Bürger und sogar 87 Prozent der Ärzte. Gleichzeitig glauben 84 Prozent der Ärzte, dass es künftig schwieriger wird, alle medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen und fordern grundlegende Reformen, um das Gesundheitssystem auf den demografischen Wandel vorzubereiten. Ein entscheidender Grund für die pessimistischen Erwartungen der Ärzte seien deren wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Mehr Kostendruck durch Gesundheitsfonds erwartet
Schon heute fühlten sich 56 Prozent der Ärzte "stark" oder "sehr stark" vom Kostendruck betroffen (69 Prozent bei den niedergelassenen Ärzten). Laut Umfrageergebnissen erbringen 73 Prozent der Niedergelassenen nach eigenen Angaben häufig Leistungen, deren Kosten nicht übernommen werden. 46 Prozent aller Ärzte und 56 Prozent der Krankenhausärzte beklagten sich über mangelnde Zeit für ihre Patienten. Für die Zukunft befürchten mehr als zwei Drittel der Ärzte, dass die zunehmende Berücksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte negative Auswirkungen auf die Qualität der Gesundheitsversorgung hat. 61 Prozent erwarten, dass der Kostendruck nach der Einführung des Gesundheitsfonds nochmals zunimmt. Eine Verschlechterung der Versorgung befürchten dadurch 31 Prozent der Ärzte (Niedergelassene 42 Prozent).
Schlechte Noten für die Gesundheitspolitik
Rund ein Viertel der gesetzlich Krankenversicherten (24 Prozent) haben der Umfrage nach noch nichts von der Einführung des Gesundheitsfonds gehört. Schlechte Noten also für die Gesundheitspolitik der großen Koalition - über 12 Millionen Deutsche hat die zuständige Bundesministerin Ulla Schmidt (SPD) demnach mit der bisher wohl einschneidensten Finanzierungsreform der GKV nicht erreicht. Von denjenigen, die schon von der Einführung des Fonds gehört haben, rechnen 47 Prozent mit einem Rückgang der Leistungen in der GKV. Zudem zweifeln 56 Prozent der Bürger - und 73 Prozent derjenigen, die konkrete Vorstellungen über den Gesundheitsfonds haben - daran, dass mit dieser Reform die Versorgung finanziell längerfristig sichergestellt ist.
Privatversicherte sehen sich besser abgesichert
Während sich gesetzlich Versicherte zu 56 Prozent (2005: 60 Prozent) gut abgesichert fühlen, sind es unter den privat Versicherten 89 Prozent (2005: 87 Prozent). Weiter zugenommen hat unter den gesetzlich Versicherten das Interesse am Abschluss einer privaten Zusatzversicherung. Zogen dies im Jahr 1997 noch 23 Prozent in Erwägung, sind es der Umfrage nach mittlerweile 44 Prozent. Für knapp drei Viertel der niedergelassenen Ärzte haben Privatpatienten eine hohe Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis. 47 Prozent der niedergelassenen Ärzte finden eine bevorzugte Behandlung von Privatpatienten "in Ordnung". Links zum Thema: Weitere Beiträge zum Thema Gesundheitsfonds Orga-Reform der Krankenkassen ab 01.01.2009 AOK: Kostendeckung des Fonds nur mit Sparpaket möglich Einheitlicher Beitragssatz für Krankenkassen beschlossen

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