
Ärzte mit Einbußen - schlechte Zeiten für Kassenpatienten? Nach Aussage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sei jeder zehnte niedergelassene Arzt in Deutschland existenzgefährdet und arbeite bereits unter der direkten Aufsicht von Banken. Aber auch bei vielen der übrigen Ärzte sei die Lage nicht gut: "Mehr als ein Drittel der 129.000 niedergelassenen Ärzte verfügt bei 60 Stunden Arbeit pro Woche lediglich über 1.500 bis 2.000 Euro netto im Monat", erklärte KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl.
Ärzte: Leistungen der gesetzlichen Kassen reichen nicht
Niedergelassene Ärzte mußten nach eigenen Aussagen in den letzten Jahren enorme Einkommensverluste hinnehmen. Die Budgetierung der ärztlichen Vergütung durch die Krankenkassen wirke sich zunehmend auf die Therapie für Patienten aus. Oftmals müssten diese trotz ambulanter Behandlungsmöglichkeiten in die wesentlich teurere Krankenhausbehandlung überwiesen werden, damit der niedergelassene Arzt in seinem vorgeschriebenen Budgetrahmen bleibt und einer sonst drohenden Regresspflicht entgeht. Erreicht der Arzt seine pro Quartal abrechenbaren Leistungen in der Praxis, werde ihm die Behandlung weiterer Patienten nicht mehr vergütet.
Eine "verantwortungsbewusste Behandlung für Kassenpatienten" sei aufgrund der sinkenden Kostenvergütung für Vertragsärzte nicht mehr möglich. Ohne ein Anteil an Privatpatienten von zehn bis 30 Prozent in der Praxis könnten viele Niedergelassene nicht mehr überleben. Dass mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen nicht einmal mehr der Praxisbetrieb aufrechterhalten werden könne, beklagen niedergelassene Ärzte seit längerem.
Nachteile und lange Wartezeiten für Kassenpatienten
"Die Ärzte gehen zunehmend dazu über, Patienten bei Bedarf ins nächste Jahr zu verschieben, weil ihr Budget erschöpft ist", so Christian Zimmermann, Präsident des Allgemeinen Patienten-Verbandes. Dies gelte vor allem dann, wenn sie gesetzlich versichert sind. Zudem würden Privatversicherte oft bevorzugt: "An Privatpatienten verdienen Ärzte locker das Doppelte."
Diese Situation werde sich zum Jahresende noch verschärfen, so Dörte Elß, Juristin von der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Berlin. Dann könne es ähnliche Zustände wie in Hamburg geben. Dort hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bereits einen Leitfaden zum methodischen Abwimmeln von Patienten an seine Vertragsärzte verteilt. Links zum Thema: Arzttermine: Kassenpatienten müssen länger warten Kasse oder Privat: Welches System bietet Ihnen mehr Vorteile? Tipp für Kassenpatienten: So gleichen Sie Ihren Schutz an

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