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Sozialverband VdK Deutschland e. V.|19.02.2026

PRESSEMITTEILUNG

VdK zu Spahn: Rentenvorschläge unausgegoren und kontraproduktiv

Berlin (kkdp)·Unionsfraktionschef Jens Spahn hat in der Augsburger Allgemeinen gefordert, die tatsächlich geleistete Lebensarbeitszeit stärker in die Rentenberechnung einzubeziehen. Für VdK-Präsidentin Verena Bentele sind solche Vorschläge medienwirksam, aber nicht zielführend und belasten die Arbeit der Rentenkommission:

"Es ist ehrenwert, dass sich Jens Spahn Sorgen um unsere Dachdecker macht. Aber nicht nur Jens Spahn, sondern die gesamte Union sollte sich mit unausgegorenen Rentenvorschlägen zurückhalten und die Rentenkommission in Ruhe arbeiten lassen. Dachdecker am Ende ihres Arbeitslebens in einem Nebensatz auf eine höhere Erwerbsminderungsrente zu verweisen, wirft mehr Fragen auf als Antworten zu geben. Für eine Erwerbsminderungsrente gelten erstens hohe Hürden: Begutachtet wird nicht der letzte Job, sondern wie viele Stunden täglich man noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, also in jedem denkbaren Job arbeiten könnte. Zweitens bleibt völlig unklar, warum zum Beispiel eine chronisch kranke Buchhalterin dann eine niedrigere Erwerbsminderungsrente bekommen sollte als ein Dachdecker."

"Das Gleiche gilt für seine Aussage, dass der Renteneintritt an die Berufsjahre gekoppelt werden sollte. Das ist schon jetzt der Fall bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab 65. Diese steht aber gerade massiv unter Beschuss und viele Mitglieder der Rentenkommission fordern öffentlichkeitswirksam ihre Abschaffung. Offen lassen diese Vorschläge auch, wie Kindererziehungszeiten und Pflegezeiten berücksichtigt werden sollen."

"Schließlich postuliert Jens Spahn, dass 50 Prozent der heute geborenen Mädchen darauf hoffen können, 100 Jahre alt zu werden, und man dann nicht mehr ab Mitte 65 in Rente gehen könnte. Ein Anruf beim Statistischen Bundesamt hätte genügt: Lediglich zwischen zwei und 22 Prozent der 2023 geborenen Mädchen werden 100 Jahre alt. Für heute 65-Jährige gilt immer noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 21 Jahren für Frauen und 17,7 Jahren für Männer. Die Lebenserwartung ist nach Einkommen, Gesundheit und Geschlecht ungleich verteilt."

"Wer sich wirklich für gerechte und faire Übergänge in die Rente einsetzen will, muss an den Ursachen ansetzen und endlich die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der älteren Beschäftigten in den Fokus nehmen. Ziel der Bundesregierung sollte es sein, alles dafür zu tun, damit mehr Menschen gesund und zufrieden in ihrem Job bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können. Das reicht von den viel zu langen Wartezeiten auf Facharzttermine über einen Ausbau der betrieblichen Gesundheitsprävention bis hin zu einer guten Versorgung mit Rehaangeboten. Wer dann übrigens noch Erwerbsminderungsrenten armutsfest machen will, sollte als erstes über die viel zu hohen Abschläge von 10,8 Prozent reden."

Pressekontakt:

Julia Frediani
Telefon: 030 9210580-409
Mobil: 0175 6604730
E-Mail: j.frediani@vdk.de

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© 2000-2026 Redaktion kkdirekt; alle Rechte vorbehalten, alle Angaben ohne Gewähr.

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