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Montag, 22.01.2018

Mitteilung

AOK Baden-Württemberg|09.01.2018

PRESSEMITTEILUNG

Apothekenmarkt: Umstrukturierung geht vor Konzentration

Stuttgart·AOK Baden-Württemberg empfiehlt Höchstpreissystem

Die Zahl der deutschen Apotheken nehme weiterhin ab, noch aber sei "eine gute, flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln nicht gefährdet", zitiert die dpa heute (09.01.2018) die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA. Von einem Höchststand von 21.602 Apotheken zu Beginn des Jahres 2009 sei die Zahl der Apotheken bundesweit auf 20.023 bis Ende 2016 zurückgegangen.

Absolute Zahlen sagen wenig aus

Definitiv hat die Versorgungssicherheit der Bevölkerung höchste Priorität. Angaben über die absolute Zahl der Apotheken sagen über die Qualität der Versorgungssicherheit jedoch wenig aus. Konkurrieren in den Fußgängerzonen mancher Großstädte mitunter zwei oder drei Apotheken auf Sichtweite miteinander, stehen dieser Überversorgung ländliche Regionen gegenüber, in denen ganzen Ortschaften keine einzige Apotheke mehr zur Verfügung steht. Aus Sicht der AOK Baden-Württemberg sollte die Politik über ein verändertes Preisbildungssystem einen strukturellen Ausgleich begünstigen.

Das Problem: Auch Apotheken müssen rentabel wirtschaften. Anders als ein Handwerksbetrieb, die Gastronomie oder der Handel unterliegt die Offizin einer speziellen Form der Preisbildung. Die Arzneimittelpreisverordnung regelt die Abgabe verschreibungspflichtiger Fertigarzneimittel an Endverbraucher dergestalt, dass sie den Abgabepreis dieser Medikamente packungsbezogen vorgibt. Der Preis berechnet sich aus der Summe einer Pauschale von derzeit 8,35 Euro pro Packung, der um einen variablen Anteil von drei Prozent des Herstellerabgabepreises erhöht wird.

Stadtflucht begünstigen

Die Folge dieser Form der Preisbildung ist, dass sich Apotheken dort rechnen, wo sie besonders viele Einzelpackungen verkaufen können. Und das ist vor allem in der Nachbarschaft niedergelassener Ärzte in den Innenstädten der Fall. Für den Umzug aufs Land spricht aus Sicht der Apotheker momentan nicht viel.

Das zeigen auch Zahlen der AOK Baden-Württemberg, die sich mit der regionalen Verteilung der Apotheken und der Versicherten beschäftigt. So müssen sich in den Innenstädten von Freiburg und von Stuttgart lediglich 150 AOK-Versicherte eine Apotheke "teilen", in Teilen des Kreises Heidenheim hingegen sind es schon rund 10.000. Je ländlicher die Region, desto dünner meist also die Versorgung mit Apotheken.

Der Apothekenversandhandel kann dazu beitragen, weniger gut mit Apotheken abgedeckte Regionen besser zu versorgen. Langfristig wirkt aber vor allem eine veränderte Preisbildung belebend auf die Versorgungsstruktur. Die AOK Baden-Württemberg spricht sich deshalb für ein flexibles Höchstpreissystem aus, das eine wünschenswerte Stadtflucht begünstigen müsste. Würden die derzeit bestehenden Festpreise in ein solches System überführt, stünde es Apothekern frei, von den Höchstpreisen unter marktwirtschaftlichen Kriterien nach unten abzuweichen. Der sich dann entwickelnde gesunde Wettbewerb würde zwangsläufig dazu führen, dass einige Apotheken aus den Ballungsräumen in ländliche Regionen abwandern müssten. Profitieren würde davon die Bevölkerung: Echte Versorgungssicherheit träte anstelle einer nur quantitativ behaupteten.

Pressekontakt:

Kurt Wesselsky
Pressesprecher
Telefon: 0711 2593-229
Mobil: 01520 1568720
Fax: 0711 2593-100
E-Mail: presse@bw.aok.de


 

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