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Donnerstag, 30.06.2016

Pflegeversicherung

Soziale Pflegeversicherung 2016 / 2017

Pflegebedürftigkeit, Pflegestufen und Leistungen

Die soziale Pflegeversicherung folgt in ihrer Zuständigkeit den Regelungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer also bei einer gesetzlichen Krankenkasse Mitglied oder familienversichert ist, ist dies automatisch auch in der entsprechenden Pflegekasse. Zum Jahreswechsel 2016/2017 greifen umfangreiche Reformen. Hierbei rückt auch die Einschränkung der Selbstständigkeit durch Demenz stärker in den Vordergrund.

Die gesetzliche bzw. soziale Pflegeversicherung dient zur Abfederung der Risiken im Falle der Pflegebedürftigkeit. Im Versicherungsfall erbringt sie Geld- oder Sachleistungen als Höchstbeträge, die nach Pflegestufen gestaffelt sind. Sie ist damit nicht als Vollversicherung ausgelegt. Übersteigen die tatsächlichen Pflegekosten die gesetzlichen Leistungen, muss der Pflegebedürftige die Differenz selbst bezahlen. Kann er dies nicht, sind seine Kinder bis zur eigenen Belastungsgrenze bzw. das Sozialamt in der Pflicht. Zur Absicherung dieses Risikos gibt es ergänzende private Versicherungen (vgl. "Pflegetagegeld").
Pflegebedürftigkeit
Pflegebedürftig im derzeitigen Sinne der Pflegeversicherung ist, wer bei den Verrichtungen des täglichen Lebens aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischen Krankheit oder Behinderung für voraussichtlich mindestens sechs Monate in erheblichem Maße Hilfe benötigt. Gemeint sind gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen wie die Körperpflege (Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Toilette, etc.), die Ernährung, die Mobilität (Aufstehen, Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen/Wiederaufsuchen der Wohnung) und die hauswirtschaftliche Versorgung (Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln/Waschen der Wäsche und Kleidung, Beheizen, etc.). Die sogenannte "Grundpflege" besteht aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung und Mobilität.

Ab 2017 ändert sich die Definition der Pflegebedürftigkeit. Bei der Einstufung in fünf neue "Pflegegrade" wird dann auf den Grad der verbliebenen Selbstständigkeit abgestellt, unabhängig ob die Einschränkung körperlich oder durch Demenz bedingt ist.
Pflegestufen (bis Ende 2016)

Die Höhe der Leistungen aus der Pflegeversicherung hängt maßgeblich vom individuellen Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Hierzu gibt es derzeit drei Pflegestufen, zu denen folgende Mindestanforderungen gelten:

Pflegestufe 0 (eingeschränkte Alltagskompetenz, insbes. Demenz):
Der Hilfebedarf beträgt unter 1,5 Stunden pro Tag.

Pflegestufe I (erheblich pflegebedürftig):
Der Hilfebedarf beträgt 1,5 Stunden pro Tag (mind. 45 Minuten für zwei Verrichtungen der Grundpflege, zzgl. hauswirtschaftliche Versorgung mehrfach pro Woche).

Pflegestufe II (schwer pflegebedürftig):
Der Hilfebedarf beträgt 3 Stunden pro Tag (mind. 2 Stunden für die Grundpflege an drei verschiedenen Tageszeiten, zzgl. hauswirtschaftliche Versorgung mehrfach pro Woche).

Pflegestufe III (schwerst pflegebedürftig):
Der Hilfebedarf beträgt 5 Stunden pro Tag (mind. 4 Stunden für Verrichtungen der Grundpflege rund um die Uhr, auch nachts, zzgl. hauswirtschaftliche Versorgung mehrfach pro Woche).
Leistungsarten und -höhe
Unterschieden werden Geld- und Sachleistungen, durch die die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung finanziert werden. Während die professionelle Pflege durch einen Pflegedienst oder auch stationär als Sachleistung erbracht wird, kommt bei der Pflege durch Angehörige ein Pflegegeld zur Auszahlung. Das Pflegegeld und die Sachleistung bei häuslicher Pflege können miteinander kombiniert werden. Die Aufteilung der Gesamtleistung erfolgt prozentual; d. h. wer z. B. 80 Prozent der Sachleistung in Anspruch nimmt, dem stehen noch 20 Prozent des Pflegegeldes zu. Darüber hinaus werden z. B. technische Pflegehilfsmittel und Zuschüsse zu Wohnumbaumaßnahmen bezahlt.
Zu den wichtigsten Leistungen gehören insbesondere (Stand 2016):

Pflegegeld bei ambulanter/häuslicher Pflege
(monatlich ohne/mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
Pflegestufe 0: 0,00 Euro / 123,00 Euro
Pflegestufe I: 244,00 Euro / 316,00 Euro
Pflegestufe II: 458,00 Euro / 545,00 Euro
Pflegestufe III: 728,00 Euro / 728,00 Euro
Bei Verhinderung der Pflegeperson werden max. 1.612,00 Euro/Jahr gezahlt.

Sachleistung bei ambulanter/häuslicher Pflege
(monatlich ohne/mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
Pflegestufe 0: 0,00 Euro / 231,00 Euro
Pflegestufe I: 468,00 Euro / 689,00 Euro
Pflegestufe II: 1.144,00 Euro / 1.298,00 Euro
Pflegestufe III: 1.612,00 Euro / 1.612,00 Euro
Pflegestufe III + Härtefall (bes. hoher Pflegeaufwand): 1.995,00 Euro

Teilstationäre Pflege
Sie kann in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege beansprucht werden, wenn häusliche Pflege nicht ausreichend sichergestellt ist. Sie wird anrechnungsfrei zum Pflegegeld bzw. zur ambulanten Pflegesachleistung erbracht.
(monatlich ohne/mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
Pflegestufe 0: 0,00 Euro / 231,00 Euro
Pflegestufe I: 468,00 Euro / 689,00 Euro
Pflegestufe II: 1.144,00 Euro / 1.298,00 Euro
Pflegestufe III: 1.612,00 Euro / 1.612,00 Euro

Kurzzeitpflege
Zweitweise vollstationäre Pflege für max. 28 Tage pro Kalenderjahr, wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht ausreichend erbracht werden kann und auch die teilstationäre Pflege nicht ausreicht.
Höchstbetrag für alle Pflegestufen: 1.612,00 Euro (entspr. 57,57 Euro/Tag)

Ersatz-/Verhinderungspflege
Leistung bei Verhinderung einer Pflegeperson, die kein naher Angehöriger ist (keine häusliche Gemeinschaft und nicht bis zum 2. Grad versandt/verschwägert) für maximal 6 Wochen pro Kalenderjahr. Gründe für die Verhinderung können z. B. Urlaub oder Krankheit sein.
Pflegestufen 0-III: 1.612,00 Euro

Während der Kurzzeit und Verhinderungspflege kann das halbe Pflegegeld unter bestimmten Umständen für bis zu vier Wochen jährlich fortgezahlt werden.

Stationäre Pflege
(ohne Berücksichtigung der Alltagskompetenz)
Pflegestufe I: 1.064,00 Euro
Pflegestufe II: 1.330,00 Euro
Pflegestufe III: 1.612,00 Euro
Pflegestufe III + Härtefall (bes. hoher Pflegeaufwand): 1.995,00 Euro

Vollstationäre Einrichtung der Hilfe für behinderte Menschen
Für Pflegeleistungen werden monatlich pasuchal bis zu 266 Euro gezahlt.

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Zur Verbesserung des Wohnumfeldes werden als Einmahlzahlung bis zu 4.000 Euro (alle Pflegestufen) bzw. maximal 16.000 Euro bei häuslicher Gemeinschaft mehrerer Anspruchsberechtigter übernommen.

Wohngruppen
Für pflegebedürftige Mitbewohner selbst organisierter und ambulant betreuter Wohngruppen werden seit 2013 bis zu 2.500 Euro (max. 10.000 Euro je Wohngruppe) für die altersgerechte oder barrierefreie Umgestaltung der Wohnung bezahlt. Bei einem höheren Organisationsaufwand ist ein Zuschlag von 205 Euro pro Monat und Bewohner möglich.

Weitere Leistungen
Über die genannten Lesitungen hinaus stehen Pflegebedürftigen beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen verschiedene sachbezogene Zuschüsse (z. B. für Pflegehilfsmittel bis zu 40,00 Euro pro Monat) zu. Detaillierte Infos hierzu erhalten Sie z. B. im Rahmen einer Pflegeberatung ihrer Pflegekasse.

Arbeitsrecht und Freistellungen
Arbeitnehmer, die die Pflege im Falle einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit naher Angehöriger organisieren müssen, haben Anspruch auf eine zehntägige bezahlte Freistellung. Darüber hinaus besteht in Betrieben mit mind. 25 Beschäftigten ein Rechtsanspruch auf 24 Monate "Familienpflegezeit". In dieser Zeit kann die Wochenarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduziert werden kann, um einen nahen Angehörigen zu pflegen.

 

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