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Donnerstag, 26.05.2016

News & Meldungen

Bezüge veröffentlicht

Jeder sechste Krankenkassenchef erhielt 2015 mehr als 200.000 Euro

03.03.2016·In der Spitze reichen die fest vereinbarten Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden bei gesetzlichen Krankenkassen bis über 300.000 Euro pro Jahr. Trotz Veröffentlichungspflicht ist die Transparenz jedoch nicht immer gegeben. Dies hat gleich mehrere Gründe.

Gesetzliche Krankenkassen sind zur Veröffentlichung der Vorstandsbezüge verpflichtet. Jeweils zum 01.03. müssen sie die Bezüge ihres Managements, unterteilt in fixe und variable Bestandteile, offenlegen. 99 der 117 aktuell noch im Wettbewerb stehenden Krankenkassen sind dieser Meldepflicht bis zum 02.03.2016 nachgekommen. Die bei nicht allen Kassen beliebte Regelung gilt bereits seit 2004 und zog in den ersten Jahren regelmäßig Prozesse nach sich. Neben der Grundvergütung und erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteilen müssen auch Aufwendungen für Dienstwagen sowie Regelungen zur Altersvorsorge und im Fall des Ausscheidens aus dem Amt publiziert werden. Nicht immer stehen die Vergütungen dabei im Einklang mit dem Markterfolg einer Krankenkasse.

Veröffentlichungspflicht mit Schwächen

Hintergrund der Veröffentlichungspflicht ist, dass dem Beitragszahler eine gewisse Transparenz zur Verwendung seiner Mittel geschaffen werden soll. Um "Wildwuchs" bei den Regelungen zwischen Vorständen und Verwaltungsräten der Kassen zu vermeiden, gilt für entsprechende Verträge seit 2013 zudem ein Genehmigungsvorbehalt der Aufsichtsbehörden (vgl. "Links zum Thema"). Bei dieser Prüfung gelten vereinheitlichte Richtlinien. Wichtiges Kriterium für die Genehmigung der Vorstandsbezüge ist danach insbesondere das Verhältnis der Gesamtbezüge zur Kassengröße und -bedeutung. Die Krux: Schwächelnde Kassen mit hohem Zusatzbeitragssatz und sinkenden Mitgliederzahlen dürfen ihren Vorständen hiernach höhere Bezüge zahlen als erfolgreichere, wachsende Kassen mit geringem Zusatzbeitragssatz. Entscheidend ist nur, ob die absolute Zahl der Mitglieder (und nicht die Tendenz) "noch" höher ist. So finden sich gleich mehrere Vorstände von Großkassen mit aktuellen Beitragssätzen von mindestens 16 Prozent unter den Top-Verdienern.

Für Versicherte fehlt zudem die gewollte Transparenz, da

teilweise nur Obergrenzen, nicht aber tatsächliche Beträge bei den variablen Vegütungen angegeben werden
es keine gesetzliche Statistik zur Anzahl der Mitglieder und Versicherten nach Einzelkassen gibt
teilweise Vergütungsbestandteile aus Vorjahren in die aktuellen Zahlen einwirken
Mehrfachvergütungen durch Personalunionen nicht ausgewiesen werden
Abweichungen zum Vorjahr von bis zu 40 Prozent (z. B. BKK Stadt Augsburg) ohne jede Erklärung bleiben
nichts über die Art der Zielvereinbarung für variable Vergütungsbestandteile erklärt wird: es kann also auch um den Abschluss eines Fusionsvertrages und damit die Aufgabe der Eigenständigkeit als Kasse gehen.

Vergütungsgrenze von 300.000 Euro geknackt

Insgesamt 20 Kassen zahlten ihren Vorstandschefs im Jahr 2015 Bezüge von mindestens 200.000 Euro (2014: 17 Kassen). In der Spitze wird für das Vorjahr erstmals eine Grundvergütung von über 300.00 Euro ausgewiesen. Eine komplette Liste der veröffentlichten Bezüge finden Sie in der Rubrik "Krankenkassen" unter "Vorstandsbezüge" (vgl. Infobox). Die Angaben sind nach verschiedenen Kriterien sortierbar. Berücksichtigt wurden Meldungen bis einschließlich 02.03.2016. Die Übersicht wird jedoch fortgeschrieben und um Nachmeldungen ergänzt.

Die Top 15 der Vorstandsbezüge im Jahr 2015
inklusive Steigerung zum Vorjahr und aktuellem Beitragssatz
(Spitzenwerte jeweils fett)

Platz 1) TK: 305.398,32 Euro (+2,86 %), 15,6 %
Platz 2) BARMER GEK: 272.266,00 Euro (+2,50 %), 15,7 %
Platz 3) DAK: 256.403,40 Euro (+2,38 %), 16,1 %
Platz 4) AOK Bayern: 248.227,17 Euro (-0,78 %), 15,7 %
Platz 5) KKH: 245.716,80 Euro (+3,75 %), 15,8 %
Platz 6) AOK Nordost: 244.297,31 Euro (+8,87 %), 15,5 %
Platz 7) mhplus BKK: 237.374,21 Euro (+3,88 %), 15,7 %
Platz 8) IKK classic: 232.561,62 Euro (+4,35 %), 16,0 %
Platz 9) AOK Hessen: 231.680,00 Euro (+1,22 %), 15,7 %
Platz 10) AOK NordWest: 230.709,55 Euro (+13,11 %), 15,7 %
Platz 11) AOK B-W: 228.750,00 Euro (+0,88 %), 15,6 %
Platz 12) VIACTIV Krankenkasse: 227.608,00 Euro (+0,84 %), 16,3 %
Platz 13) AOK PLUS: 226.300,00 Euro (+1,89 %), 14,9 %
Platz 14) SBK**: 225.960,00 Euro (0%), 15,9 %
Platz 15) AOK Niedersachsen: 223.487,07 Euro (+2,24 %), 15,4 %

**) Die Siemens BKK hat die Vergütung am 03.03.2016 nachgemeldet. Vorheriger Platz 15 war die Deutsche BKK (221.448,00 Euro, +2,15 %).

 

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