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Donnerstag, 23.01.2020

News & Meldungen

Abbau von Rücklagen

Defizit der Krankenkassen steigt im 3. Quartal 2019 auf 741 Millionen Euro

07.12.2019·Die gesetzlichen Krankenkassen haben von Juli bis September 2019 erneut mehr ausgegeben als eingenommen. Das damit erwirtschaftete Defizit von gut 0,7 Milliarden Euro zielt auf den politisch gewollten Abbau von Rücklagen. Durch das Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG) dürfen Krankenkassen mit zu hohen Rücklagen ihren Zusatzbeitragssatz nicht mehr anheben.

Insgesamt stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent auf 187,9 Milliarden Euro. Die Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 187,2 Milliarden Euro gestiegen. Damit haben die gesetzlichen Krankenkassen in den ersten drei Quartalen 2019 rund 741 Millionen Euro mehr ausgegeben, als sie durch Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhalten haben. Ihre Finanzreserven betrugen Ende September 2019 rund 20,6 Milliarden Euro und damit etwa 200 Millionen Euro weniger als noch zum 30.06.2019. Insgesamt, so das BMG, entsprächen die Reserven im Durchschnitt aber noch knapp einer Monatsausgabe und damit etwa dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.

Zum Stichtag 01.10.2019 lag der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz mit 0,99 Prozent rund 0,1 Prozentpunkte unterhalb des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes im Jahr 2018. Die Zahl der GKV-Versicherten nahm um 0,4 Prozent zu. Bei den Ausgaben spiegeln sich in den ansteigenden Veränderungsraten auch Mehrausgaben aus dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG , vgl. "Links zum Thema") und Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG, vgl. "Links zum Thema") wider, die Anfang bzw. im Laufe des Jahres 2019 in Kraft getreten sind.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Eine differenzierte Betrachtung nach Krankenkassenarten zeigt, dass die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) im 1.-3. Quartal ein leichtes Defizit von rund 142 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 402 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 146 Millionen Euro und die Innungskrankenkassen (IKKen) von 106 Millionen Euro verzeichneten.

Bei AOKen, Ersatzkassen und IKKen sei der Negativsaldo jeweils weitestgehend auf Defizite einer großen Krankenkasse mit hohen Finanzreserven zurückzuführen. Einnahmenüberschüsse gab es bei der Knappschaft mit 16 Millionen Euro und der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung mit 39 Millionen Euro.

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15.01.2019 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,7 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete ähnlich wie im Vorjahreszeitraum einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 3,2 Milliarden Euro. Hieraus können jedoch noch keine Rückschlüsse auf eine Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden. Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, unterliegen die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen. Denn die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeldzahlungen fließen dem Gesundheitsfonds weitestgehend in der zweiten Jahreshälfte zu. Hinzu kommen weitere Zusatzeinnahmen aus den Rentensteigerungen zur Jahresmitte. Auf Basis der Annahmen des Schätzerkreises könnte die Liquiditätsreserve bis zum Jahreswechsel 2019/2020 auf ca. 10,3 Milliarden Euro ansteigen.

Veränderungsraten bei den Ausgaben

Die Leistungsausgaben der Krankenkassen stiegen um 5,4 Prozent, die Verwaltungskosten um 0,5 Prozent. Bei der Interpretation der unterjährigen Daten ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen von Schätzungen und Verpflichtungsbuchungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht vorliegen.

Entwicklungen in den größeren Leistungsbereichen

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung sind im 1. - 3. Quartal 2019 um 3,4 Prozent und damit moderat gestiegen. Bei Erhöhungen der Landesbasisfallwerte von durchschnittlich rund 2,5 Prozent spricht vieles dafür, dass es in den Krankenhäusern auch in den Monaten Januar bis September insgesamt nur eine moderate Mengenentwicklung gegeben hat.

Arznei- und Verbandmittel
Die Arzneimittelausgaben stiegen um 5,6 Prozent. Hierbei spielen weiterhin die Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel eine zentrale Rolle. Die Krankenkassen wurden durch deutliche Zuwächse (+10,1 Prozent) bei Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern entlastet. Hohe Zuwachsraten von 15,5 Prozent gab es bei den Ausgaben für Schutzimpfungen.

Ambulante Behandlung
Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben um rund 4,2 Prozent. Hohe Steigerungsraten gab es dabei insbesondere durch höhere Vergütungen bei extrabudgetären psychotherapeutischen Leistungen (+8,3 Prozent), Hochschulambulanzen (+16,7 Prozent) und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (+15,8 Prozent).

Heilmittel
Deutlich überproportional sind vor allem die Ausgaben für Heilmittel (+12,8 Prozent). Hier gab es in allen Leistungsbereichen (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen) zweistellige Zuwachsraten. Bei Heilmitteln machen sich vor allem die vom Gesetzgeber schrittweise vorgegebenen Honorarsteigerungen bemerkbar, die zu einer wesentlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Heilmittelerbringer beitragen.

Die vorläufigen Finanzergebnisse des Gesamtjahres 2019 liegen Anfang März 2020, die endgültigen Mitte Juni 2020 vor.

 

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