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Montag, 18.11.2019

News & Meldungen

Selbstzahlerleistungen beim Augenarzt

MDS kritisiert Mediziner für unseriöses Praxismarketing

02.09.2019·Der vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) betriebene IGeL-Monitor hat im Zuge der Vorstellung seiner Bewertungsergebnisse zur Glaukom-Vorsorgeuntersuchung scharfe Kritik am Marketing der Augenärzte geübt. In vielen Fällen würden geltende Regelungen zum Angebot von Selbstzahlerleistungen nicht eingehalten.

Der Markt für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) boomt. Laut MDS setzen Arztpraxen mit den Selbstzahlerleistungen rund 1 Milliarde Euro pro Jahr um. Täglich informierten sich knapp 2.000 Besucher auf dem Internetportal IGeL-Monitor über die Leistungen und deren Inanspruchnahme. Besonders groß sei dabei das Informationsbedürfnis bei IGeL in der Augenarztpraxis. Von den insgesamt 51 Bewertungen des IGeL-Monitors würden die Bewertungen zur Glaukom-Früherkennung mit rund 15 Prozent aller Klicks am meisten abgerufen, so der MDS. Auch bei den Zuschriften von Versicherten an den IGeL-Monitor thematisierten knapp 40 Prozent augenärztliche IGeL. Die Erfahrungen, die dabei geschildert werden, so der MDS, belegen zum Teil aggressives Praxismarketing. So berichteten Versicherte vielfach, dass sie bereits von den Praxiskräften zum Kauf von IGeL aufgefordert werden oder dass sogar der Arzttermin davon abhängig gemacht werde. "Augenarztpraxen halten sich häufig nicht an die anerkannten Regeln für den Verkauf von IGeL. Stattdessen wird ausgesprochen unseriöses Marketing betrieben und selbst vulnerable Patientengruppen wie ältere Menschen, Patienten mit wenig Geld und Versicherte in ländlichen Regionen mit wenig Praxisangebot fühlen sich unter Druck gesetzt", sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. "Daher appellieren wir an die Ärzteschaft, sich an die anerkannten Regeln zu halten und zu einem seriösen Umgang mit IGeL zurückzukehren."

IGeL-Monitor bewertet OCT zur Glaukom-Früherkennung mit "tendenziell negativ"

Der IGeL-Monitor hat in seiner neuen Bewertung eine weitere IGeL zum Thema Augen untersucht (vgl. "Links zum Thema"). Die Experten haben dabei recherchiert, ob die Optische Kohärenztomographie (OCT) als Früherkennungsuntersuchung verhindern kann, dass Menschen wegen eines Glaukoms erblinden. Die Fachleute konnten dazu keine aussagefähigen Studien finden. Sie konnten ebenfalls keine Studien finden, die zeigen, dass eine frühe Therapie nützlich ist. Indirekte Schäden durch Überdiagnosen seien dagegen auch bei der OCT zur Glaukom-Früherkennung zu erwarten. Nach der Abwägung des Schaden- und Nutzenpotenzials wurde die Früherkennungsuntersuchung daher mit "tendenziell negativ" bewertet. Auch in den Leitlinien der Augenärzte werde die Untersuchung nicht zur Früherkennung empfohlen. Recherchen des MDS bei 100 Augenarztpraxen zeigten aber, dass 25 Prozent der Praxen die OCT genau zu diesem Zweck anbieten", erklärt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS.

Die Evidenz der Selbstzahlerleistungen überzeugt bisher nicht

Der IGeL-Monitor stellt auf seinem Informationsportal 51 Bewertungen und 4 Beschreibungen zur Verfügung. Das Wissenschaftlerteam bewertet dabei 4 IGeL als "negativ" (Schaden übersteigt deutlich den Nutzen), darunter zum Beispiel der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. 22 IGeL werden als "tendenziell negativ" eingestuft. Der zu erwartende Schaden sei dabei größer als der Nutzen - dazu gehöre auch die jüngste Bewertung zur OCT. 20 IGeL schnitten mit "unklar" ab, weil es keine aussagekräftigen Studien gebe oder sich Schaden und Nutzen die Waage hielten. Das trifft zum Beispiel auf den M2-PK-Test zur Darmkrebsfrüherkennung zu. Mit "tendenziell positiv" (erwarteter Nutzen größer als das Schadenspotenzial) bewertet das IGeL-Monitor-Team aktuell 2 IGeL, darunter die Akupunktur zur Migräneprophylaxe. Mit "positiv" wurden bisher keine IGeL bewertet.

IGeL "Hautkrebsvorsorge" wurde 2008 zur Kassenleistung

Dass IGeL auch medizinisch sinnvoll sein können, zeigt das Beispiel der Hautkrebsvorsorge. Bis einschließlich 2007 war die Untersuchung beim Haus- bzw. Hautarzt noch Selbstzahlerleistung. Ab 2008 wurde sie dann zur Regelleistung der Krankenkassen, allerdings nur jedes zweite Jahr, was Experten schon damals kritisierten (vgl. "Links zum Thema").

 

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