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Donnerstag, 06.08.2020

Mitteilung

BKK Melitta Plus|11.09.2019

STATEMENT

Ärzte-Hopping: Gebühren für Arztbesuche lösen das Problem nicht

Minden·Vorstand Rolf Kauke äußert sich zum Vorstoß von KBV-Vorstand Andreas Gassen zur Einführung einer Strafzahlung bei Ärzte-Hopping

"Die Gesundheitskarte funktioniert wie eine Flatrate, und es gibt Patienten, die das gnadenlos ausnutzen", sagt Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Wer jederzeit zu jedem Arzt gehen möchte, solle mehr bezahlen, so der Ärztefunktionär.

Rolf Kauke, Vorstand der BKK Melitta Plus in Minden, weist diese Überlegungen ausdrücklich zurück. "Solche Strafzahlungen führen zu nichts, sondern sorgen im Gegenteil nur für überflüssige Verunsicherung der Patienten und bestrafen diese auch noch unnötig. Die Ärztefunktionäre können nicht die Patienten verantwortlich machen für Fehler, deren Ursachen im System liegen. Mit Patientenbeschimpfungen löst man jedenfalls kein Problem, denn die sogenannte Flatrate-Mentalität hat viele Gründe.

Nach Erhebungen der OECD hat tatsächlich jeder Mensch in Deutschland im Schnitt zehn Arztkontakte im Jahr. In Finnland und Norwegen sind es 4,3. In Schweden sogar nur 2,9. Aber die Menschen in Skandinavien sind dabei nicht weniger gesund als in Deutschland.

Ein Grund: Die häufige Wiedereinbestellung im Folgequartal, oft ohne dass es einen triftigen Grund gibt. Vorteil für den Arzt: er kann grundsätzlich die Pauschale erneut abrechnen. "Verdünner" werden Patienten genannt, die wenig Aufwand machen. Aber sie sitzen eben auch im Wartezimmer. Dabei soll dies kein Vorwurf an die Ärzteschaft sein- sie müssen und sollen ja auch ökonomisch im eigenen Interesse handeln. Ob aber an einer quartalsweisen Abrechnung heute noch festgehalten werden muss, sollte auf den Prüfstand gestellt werden.

Auch bei Ärzten gilt ein Gesetz des Marktes, nach dem sich das Angebot selbst seine Nachfrage schafft. Welcher Patient sagt schon nein, wenn der Arzt eine ergänzende Untersuchung hier oder vorsorgende Therapie dort empfiehlt? Manche Untersuchung wird zum zweiten Mal gemacht, weil Unterlagen der vorherigen Behandlung nicht vorliegen oder der Behandler lieber selbst nochmal die Diagnose überprüfen will. Eine Lösung ist in Sicht: die elektronische Patientenakte und die Nutzung telemedizinischer Techniken. Helfen würde es, wenn sich viele Ärzte diesen Möglichkeiten gegenüber offen zeigen und sich nicht reflexartig verweigern, sobald man das Wort "digital" in den Mund nimmt.

Natürlich: auch für Ärzte hat die Stunde 60 Minuten. Doch Patienten suchen Ärzte auf, um Hilfe zu erhalten - und bestimmt nicht um im Lesezirkel zu blättern. Die freie Arztwahl ist ein hohes Gut des deutschen Gesundheitssystems, an dem festgehalten werden muss. Ohne Strafgebühren, ohne Sanktionen", so Kauke.

Pressekontakt:

Markus Wulfern
Tel.: 0571/ 9759 1116
markus.wulfern@bkk-melitta.de


 

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