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Dienstag, 12.11.2019

News & Meldungen

GKV-Finanzergebnisse im 1. Halbjahr 2019

Leichtes Defizit: Kassen reduzieren Rücklagen auf 20,8 Milliarden Euro

05.09.2019·Die gesetzlichen Krankenkassen haben im 1. Halbjahr 2019 rund 544 Millionen Euro mehr ausgegeben, als sie durch Beitragszahlungen eingenommen haben. Der Fehlbetrag wurde laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) aus den Rücklagen finanziert, welche zum 30.06.2019 auf insgesamt 20,8 Milliarden Euro abgeschmolzen wurden. Dennoch, so das BMG, entspreche die Höhe der Rücklagen weiterhin ungefähr einer Monatsausgabe und damit etwa dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve. Durch das Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG) dürfen Krankenkassen mit zu hohen Rücklagen ihren Zusatzbeitragssatz nicht mehr anheben.

Den Einnahmen in Höhe von rund 124,7 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 125,2 Milliarden Euro gegenüber. Die Gesamteinnahmen der Krankenkassen nahmen dabei um 3,6 Prozent zu. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten stiegen bei rund 0,5 Prozent mehr Versicherten insgesamt um 4,7 Prozent. Zum Stichtag 01.07.2019 lag der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz mit 0,99 Prozent erstmals seit 2015 wieder unterhalb der 1-Prozent-Marke und damit rund 0,1 Prozentpunkte unterhalb des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes im Jahr 2018. Dies teilte das BMG am 04.09.2019 in Berlin mit.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Bei einer Betrachtung nach Krankenkassenarten ergibt sich folgendes Bild: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten im 1. Halbjahr ein leichtes Defizit von rund 68 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 297 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 126 Millionen Euro und die Innungskrankenkassen (IKKen) von 95 Millionen Euro. Bei AOKen, Ersatzkassen und IKKen sei der Ausgabenüberschuss weitestgehend jeweils auf Defizite einer großen Krankenkasse mit hohen Finanzreserven zurückzuführen, so das BMG. Einnahmenüberschüsse gab es bei der Knappschaft-Bahn-See mit 24 Millionen Euro und der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung mit 18 Millionen Euro.

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15.01.2019 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,7 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete ähnlich wie im Vorjahreszeitraum einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 2,9 Milliarden Euro. Hintergrund ist, dass die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, während die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen ausgesetzt sind (z. B. durch die Verbeitragung von Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld).

Durch die weiterhin günstige Entwicklung der Beitragseinnahmen des Gesundheitsfonds bei einem Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen im 1. Halbjahr von 4,4 Prozent habe die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), wie die anderen Sozialversicherungszweige, von der positiven Lohn- und Beschäftigungsentwicklung profitiert.

Veränderungsraten bei den Ausgaben

Die Leistungsausgaben der Krankenkassen stiegen um 4,8 Prozent, die Verwaltungskosten um 0,9 Prozent. Laut BMG sei bei den Ausgaben insgesamt zu berücksichtigen, dass diese für das 1. Halbjahr in vielen Leistungsbereichen noch von Schätzungen geprägt seien - entsprechende Abrechnungsdaten lägen häufig noch nicht vor.

Entwicklungen in den größeren Leistungsbereichen

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung sind im 1. Halbjahr 2019 um 2,9 Prozent und damit weiterhin moderat gestiegen. Bei Erhöhungen der Landesbasisfallwerte von durchschnittlich rund 2,5 Prozent spreche vieles dafür, dass es in den Krankenhäusern auch in den Monaten Januar bis Juni nur eine moderate Mengenentwicklung gegeben hat.

Arzneimittel
Die Arzneimittelausgaben stiegen um 4,9 Prozent. Hierbei spielen weiterhin die Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel eine zentrale Rolle. Die Krankenkassen werden nach wie vor durch deutliche Zuwächse (+8,3 Prozent) bei Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern entlastet. Hohe Zuwachsraten von 13,8 Prozent gab es bei den Ausgaben für Schutzimpfungen.

Ambulante Behandlung
Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben um rund 4,0 Prozent. Hohe Zuwachsraten gab es dabei insbesondere durch höhere Vergütungen bei extrabudgetären psychotherapeutischen Leistungen (+14,5 Prozent), Hochschulambulanzen (+ 23,5 Prozent) und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (+15,6 Prozent).

Heilmittel
Deutlich überproportional sind vor allem die Ausgaben für Heilmittel (+13 Prozent). Hier gab es in allen Leistungsbereichen (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen) zweistellige Zuwachsraten. Bei Heilmitteln machen sich vor allem die vom Gesetzgeber schrittweise vorgegebenen Honorarsteigerungen bemerkbar, die zu einer wesentlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Heilmittelerbringer beitragen.

Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2020

Mit der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung 2019 wird sich Mitte Oktober der Schätzerkreis aus Finanzexperten von Bundesversicherungsamt, Bundesministerium für Gesundheit und GKV-Spitzenverband befassen. Nach Auswertung der Ergebnisse des Schätzerkreises wird das BMG bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für das Jahr 2020 bekanntgeben.

 

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