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Montag, 16.12.2019

News & Meldungen

Ausbildung neu geregelt

Psychotherapeuten erhalten eigenen Studiengang

27.09.2019·In Zukunft wird es einen Direktstudiengang "Psychotherapie" geben. Das hat der Bundestag am 26.09.2019 mit dem Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung (PsychThGAusbRefG) nach 2./3. Lesung beschlossen. Das Gesetz enthält zudem Regelungen zur unmittelbaren Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung.

Der neue Ausbildungsweg sieht ein fünfjähriges Hochschulstudium vor. Es gliedert sich in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium, das mit einer bundeseinheitlichen staatlichen Prüfung endet. Wer diese Prüfung besteht, erhält seine staatliche Zulassung (Approbation) und darf als Psychotherapeut arbeiten.

Zur Zeit unterscheidet man in Deutschland Psychologische Psychotherapeuten von Ärztlichen Psychotherapeuten. Erstere haben ein Psychologiestudium und eine mindestens dreijährige Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert. Ärztliche Psychotherapeuten hingegen haben nach einem Medizinstudium ihre Approbation erhalten und in der Regel einen Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie erworben oder eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten durchlaufen. Bisher müssen Psychologische Psychotherapeuten ein Vollstudium der Psychologie absolvieren; angehende Kinder- und Jugendpsychotherapeut/innen können auch Pädagogik studieren. An das Studium schließt sich jeweils eine Fachausbildung an. Die Kosten dafür müssen die angehenden Psychotherapeuten in der Regel selbst zahlen.

Weiterbildung nach Landesrecht

An das Studium wird sich eine - nach jeweiligem Landesrecht organisierte - Weiterbildung in stationären oder ambulanten Einrichtungen anschließen. Um eine vergleichbare Qualität der Ausbildung sicherzustellen, soll die Bundespsychotherapeutenkammer eine Musterweiterbildungsordnung entwickeln. Die "Psychotherapeuten in Weiterbildung" erhalten eine Vergütung für ihre Tätigkeit.

Einheitliche Berufsbezeichnung

Das Psychologiestudium wird damit künftig keine Voraussetzung mehr für den Zugang zum Beruf sein. Deshalb wird es eine einheitliche Berufsbezeichnung "Psychotherapeut/in" geben. Ärzten, die über eine entsprechende Qualifikation verfügen, können ergänzend "ärztlich" in ihre Berufsbezeichnung aufnehmen. Mit Abschluss der Weiterbildung können Psychotherapeuten sich ins Arztregister eintragen lassen und sich um eine Zulassung für die Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen bewerben.

Wesentliche Regelungen des PsychThGAusbRefG:

Psychotherapie soll ein eigenständiges universitäres Studienfach werden.

Das Studium gliedert sich in ein 3-jähriges Bachelor- und ein 2-jähriges Masterstudium. Als Voraussetzung für die Erteilung der Approbation schließt sich die staatliche psychotherapeutische Prüfung an.

Bei bestandener Prüfung wird die Approbation (Erlaubnis zur Behandlung) erteilt.

Die neue Berufsbezeichnung lautet "Psychotherapeutin" oder "Psychotherapeut".

Der neue Studiengang soll zum Wintersemester 2020 erstmals angeboten werden.

An das Studium schließt sich eine nach Landesrecht zu organisierende Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an.

Ein fester Anteil der Vergütung, die die Krankenkassen für die künftigen Psychotherapeuten in Weiterbildung ("PiWs") erbrachten ambulanten Krankenbehandlungen an die Weiterbildungsstätten zahlen, ist an diese weiterzugeben. Die gleiche Regelung gilt für angehende Psychotherapeuten, die ihre Ausbildung noch nach dem bisherigen System angefangen haben ("PiAs")

Mit der neuen Aus- und Weiterbildungsstruktur werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die künftigen PiWs im Krankenhaus beschäftigt und entsprechend entlohnt werden.

In psychiatrischen klinischen Einrichtungen erhalten PiAs künftig eine Mindestvergütung von 1.000 Euro monatlich während der praktischen Tätigkeit (Vollzeit). Die Mindestvergütung wird durch die Krankenkassen refinanziert. Für "PiAs" gab es bisher keine Vergütungsregelungen.

Mit Abschluss der Weiterbildung sind die Psychotherapeuten berechtigt, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und einen Antrag auf Zulassung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu stellen.

Mit Abschluss der Weiterbildung sind die Psychotherapeuten berechtigt, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und sich um eine Zulassung für die Versorgung im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu bewerben.

Verbesserungen der psychotherapeutischen Versorgung:

Für psychisch schwerkranke Menschen wird ein neues Versorgungsangebot geschaffen. Dazu sollen sich die an der Versorgung mitwirkenden Berufsgruppen, wie Psychotherapeuten, Psychiater, Hausärzte sowie weitere ggf. erforderliche Versorgungsbereiche, wie z.B. Soziotherapie, Ergotherapie oder häusliche Krankenpflege, miteinander vernetzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss wird die Einzelheiten in einer eigenständigen Richtlinie bis zum 31. Dezember 2020 festlegen.

Der Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung soll erleichtert werden: Probatorische Sitzungen niedergelassener Psychotherapeuten sollen bereits frühzeitig in den Räumen des Krankenhauses stattfinden können.

Für die Teilnahme an Gruppentherapien wird künftig kein Gutachten mehr nötig sein. Dadurch wird der Zugang erleichtert.
Um Psychotherapeuten, die ihren vollen Versorgungsauftrag erfüllen, einen Anreiz zu geben, mehr Therapieplätze anzubieten, wird ein Vergütungszuschlag eingeführt.

Zudem werden die Krankenversicherungen (GKV und PKV) verpflichtet, einen Beitrag zur Finanzierung der ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen zu leisten.

Das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Die Regelungen zur neuen Psychotherapeutenausbildung, einschließlich der begleitenden Regelungen im SGB V, sollen am 01.09.2020 in Kraft treten. Weitere Vorschriften, wie zum Beispiel die Ermächtigungsgrundlage für die noch zu entwickelnde Approbationsordnung, treten teilweise vorzeitig am Tag nach Verkündung oder zum 01.01.2020 in Kraft.

 

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