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Donnerstag, 26.04.2018

News & Meldungen

Behandlungsfehlerstatistik

Zahl der festgestellten ärztlichen Behandlungsfehler leicht rückläufig

07.04.2018·Jährlich werden über 11.000 Behandlungen, bei denen Behandlungsfehler vermutet werden, durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern im Hinblick auf die Arzthaftung bewertet. 2017 gingen die festgestellten Behandlungsfehler im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück.

Bundesweit haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2017 insgesamt 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr: 7.639). In 2.213 Fällen lag ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr: 2.245). Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845). Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. In 430 Fällen lag ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte. Die Zahlen ergeben sich aus der im Auftrag der Bundesärztekammer (BÄK) von der Geschäftsstelle der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern in Hannover erstellten bundesweiten Behandlungsfehlerstatistik für 2017.

Offene Fehlerkultur in der Medizin etabliert

"Wir Ärzte können Patienten keine Heilung versprechen, wohl aber, dass wir uns mit ganzer Kraft für ihre Heilung, für die Qualität ihrer Behandlung und damit für ihre Sicherheit einsetzen", so Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik in Berlin. Dass Ärzte diesem Versprechen gerecht würden, belegten die vielfältigen von der Ärzteschaft entwickelten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Fehlerprophylaxe, Qualitätszirkel, Peer-Reviews aber auch Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie anonyme Fehlermeldesysteme. Sie gehörten in medizinischen Einrichtungen längst zum Alltag. Trotzdem sei jeder Fehler einer zu viel. Und hinter jeder Komplikation könnten schwere menschliche Schicksale stehen. Für Panikmache und Pfuschvorwürfe gebe es dennoch keinen Grund. Beides schade der mittlerweile gut etablierten offenen Fehlerkultur und damit der Fehlerprävention in der Medizin, so Crusius.

Niedrigschwelliges Schlichtungsverfahren

"Von den Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung durch Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen profitieren sowohl Patienten als auch Ärzte", sagte Prof. Dr. Walter Schaffartzik, Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. In den Einrichtungen seien hochqualifizierte Fachgutachter tätig, die gemeinsam mit Juristen prüften, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt sei oder nicht. Die Verfahren seien niedrigschwellig und für alle beteiligten Parteien unbürokratisch. Patienten müssten lediglich einen formlosen Antrag stellen. Das Verfahren sei für sie kostenfrei.

Auch Uwe Brocks, Fachanwalt für Medizinrecht, hat gute Erfahrungen mit den Stellen gemacht. Er empfiehlt seinen Klienten das Schlichtungsverfahren nicht nur weil es für sie kostenfrei ist. Ein maßgeblicher Aspekt sei die Objektivität, mit der es betrieben werde sowie die dahinter stehende medizinische und juristische Expertise. Wenn es nach einem Schlichtungsverfahren doch vor Gericht gehe, erweise sich die medizinisch-fachliche Bewertung des Behandlungsgeschehens fast ausnahmslos als gerichtsfest.

15.000 weitere Gutachten über den MDK

Neben den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern erstellen auch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) jährlich rund 15.000 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern. Laut MDK bestätige sich der Verdacht der Patienten hierbei in knapp jedem vierten Fall (2016). Daten zu Behandlungsfehlern lägen in Deutschland jedoch nur punktuell vor. Darum lasse sich auch das Gefährdungsrisiko nicht genau beziffern, erläuterte Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS, im Mai 2017 in Berlin (vgl. Links zum Thema). Der aktuelle Bericht des MDS für 2017 wird für Mai 2018 erwartet.
MDK-Begutachtungen
Spezielle Gutachterteams prüfen in den MDK Vorwürfe von Behandlungsfehlern im Auftrag der Krankenkassen. Die Gutachter gehen dabei der Frage nach, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard abgelaufen ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, wird außerdem geprüft, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, durch den Fehler verursacht worden ist. Nur dann sind Schadensersatzforderungen aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann der Patient entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt. Gesetzlich Versicherten entstehen durch die Begutachtung keine zusätzlichen Kosten.

 

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