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Donnerstag, 05.08.2021

News & Meldungen

Finanzentwicklung im 1. Quartal 2021

Krankenkassen verbuchen Minus von 148 Millionen Euro

19.06.2021·Die 103 gesetzlichen Krankenkassen haben von Januar bis März 2021 ein Minus von 148 Millionen Euro verbucht. Trotz des gestiegenen Zusatzbeitragssatzes von aktuell durchschnittlich 1,28 Prozent (Vorjahr: 1,0 Prozent) mussten damit die Reserven auf 16,6 Milliarden Euro (Juni 2020: 20,8 Milliarden Euro) weiter abgebaut werden. Im Schnitt betragen die Finanzreserven je Kasse nun noch 0,7 Monatsausgaben (September 2020: 0,81 Monatsausgaben). Gesetzlich sind Reserven von mindestens 0,2 Monatsausgaben - also einem Ausgabevolumen von rund 6 Tagen - vorgeschrieben.

Insgesamt standen den Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von rund 69,3 Milliarden Euro Ausgaben von rund 69,4 Milliarden Euro gegenüber. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von rund 0,2 Prozent einen Zuwachs von 2,3 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag mit 1,28 Prozent leicht unterhalb des Ende Oktober 2020 für das Jahr 2021 bekannt gegebenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 1,3 Prozent (vgl. "Links zum Thema).

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Pandemie die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung auch im 1. Quartal 2021 deutlich beeinflusst. Die vorliegenden Daten ließen aber noch keine valide Prognose für die weitere Finanzentwicklung der GKV zu. Erst wenn die Daten bis Juni 2021 vorliegen, entscheide sich, ob der von der Koalition beschlossene ergänzende Bundeszuschuss von 7 Milliarden Euro für 2022 angepasst werden müsse.

Ergebnisse nach Krankenkassenarten

Die einzelnen Krankenkassenarten verbuchten unterschiedliche Finanzergebnisse. Ersatzkassen (+435 Millionen Euro), Innungskrankenkassen (+49 Millionen Euro) und die Landwirtschaftliche Krankenkasse (+14 Millionen Euro) erzielten Überschüsse. Allgemeine Ortskrankenkassen (-563 Millionen Euro), Betriebskrankenkassen (-63 Millionen Euro) und die KNAPPSCHAFT (-20 Millionen Euro) erzielten hingegen Defizite. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, so das Bundesgesundheitsministerium (BMG), dass die einzelnen Krankenkassen im Jahr 2021 in unterschiedlichem Umfang Teile ihrer Finanzreserven an den Gesundheitsfonds abführen mussten. Im 1. Quartal 2021 wurden dem Gesundheitsfonds so insgesamt 1,99 Milliarden Euro zugeführt und als Zuweisungen an die Krankenkassen wieder ausgezahlt.

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15.01.2021 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 5,9 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Quartal 2021 einen Überschuss von 458 Millionen Euro. Die Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozent. Dieser Anstieg blieb damit erheblich hinter den Veränderungsraten vor Beginn der Covid-19-Pandemie mit durchschnittlich über vier Prozent zurück. Der Anstieg der gesamten Einnahmen des Gesundheitsfonds um 22,4 Prozent geht zu einem großen Teil auf die Erstattungen des Bundes im Rahmen der Covid 19-Pandemie zurück. Diese beliefen sich im 1. Quartal 2021 auf ca. 4,4 Milliarden Euro, während die entsprechenden Erstattungen im Jahr 2020 erst im zweiten Quartal begannen.

Entwicklungen bei den Ausgaben

Bei den Krankenkassen gab es im 1. Quartal 2021 einen absoluten Ausgabenzuwachs von Leistungen und Verwaltungskosten von 2,3 Prozent. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Ausgabenzuwächse dieses Quartals auf einen hohen Ausgabensockel des entsprechenden Vorjahresquartals aufsetzten. In Folge sei zu erwarten, dass die Zuwachsraten im weiteren Jahresverlauf noch deutlich steigen werden. Insgesamt stiegen die Leistungsausgaben um 2,2 Prozent, die Verwaltungskosten um 5,3 Prozent.

Vor allem bei Krankenhausbehandlung (-1,7 Prozent) sowie bei Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen (-14,1 Prozent) sind die Ausgaben im Vergleich zum 1. Quartal 2020 rückläufig. Für die damit verbundenen Belegungsrückgänge haben die Krankenhäuser bzw. Vorsorge- und Reha- Einrichtungen von Januar bis März insgesamt rund 3 Milliarden Euro bzw. 135 Millionen Euro Ausgleichszahlungen des Bundes erhalten.

Überproportionale Ausgabenzuwächse gab es hingegen bei ärztlicher Behandlung (+7,4 Prozent), zahnärztlicher Behandlung (+6,1 Prozent) und Zahnersatz (+9,9 Prozent), während die Arzneimittelausgaben nach einem zweistelligen Zuwachs von 11,5 Prozent im 1. Quartal 2020 um 0,8 Prozent stiegen.

Kinderkrankengeld: Ausgabenplus von 46 Prozent

Die Krankengeldausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent. Besonders dynamisch haben sich hierunter die Aufwendungen für Kinderkrankengeld erhöht (+46 Prozent). Dies ist vor allem auf die Erweiterung des Anspruchs für Eltern, die ihre Kinder pandemiebedingt zu Hause betreuen, und die Verlängerung der möglichen Anspruchsdauer für die Finanzierung von Kinderkrankengeldtagen zurückzuführen. Bei der Interpretation der Daten des 1. Quartals ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen, v. a. bei Ärzten und Zahnärzten, von Schätzungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht oder nur teilweise vorliegen.

Weitere Entwicklung

Aus den vorliegenden Finanzdaten sind laut BMG noch keine validen Rückschlüsse auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung für das Gesamtjahr 2021 möglich. Die Finanzergebnisse des 1. Halbjahres 2021 werden Mitte August vorliegen. Auf deren Basis werde der Bedarf an Bundesmitteln geprüft, um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz im Jahr 2022 bei 1,3 Prozent zu halten.

 

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