Finanzergebnis der GKV für 2025

Krankenkassen trotz Überschuss und hoher Beitragssätze unter Druck

11.03.2026·Die gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahr 2025 einen Überschuss in Höhe von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Trotzdem gelang es ihnen nicht, die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve aufzubauen. Grund sind die weiterhin stark steigenden Ausgaben. Entsprechende Reformen der Politik, um diese Spirale zu durchbrechen, sind 2025 erneut ausgeblieben.

Die Ausgaben der insgesamt 93 gesetzlichen Krankenkassen stiegen nach den vorläufigen Rechnungsergebnissen des Jahres 2025 um rund 7,8 Prozent auf 352,4 Milliarden Euro und damit deutlich stärker als die Beitragseinnahmen in Höhe von 355,9 Milliarden Euro mit rund 5,3 Prozent. Das hat zu einem hohen Druck auf die Beitragssätze der Kassen geführt, die zum Jahresbeginn sowie unterjährig teils mehrfach angehoben werden mussten. Mit 2,94 Prozent zum Jahresende überstiegen sie die Festlegung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in Höhe von 2,5 Prozent (vgl. "Links zum Thema") deutlich. Die Summe der Lohnnebenkosten für die Sozialversicherung stieg dadurch zum Jahresende auf knapp 43 Prozent. Beschäftigungen in Deutschland werden somit immer hochpreisiger und für die Wirtschaft unattraktiver. Trotz des hierdurch drohenden weiteren Wegfalls von Beitragseinnahmen blieben politische Reformen in 2025 erneut aus. Und der Trend setzt sich fort: Der von den Kassen zum 01.01.2026 erhobene Zusatzbeitragssatz liegt mit 3,13 Prozent im Mittel erneut deutlich oberhalb des vom BMG für 2026 festgelegten durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 2,9 Prozent.
Wirtschaft sieht ernsthafte Gefahr durch Untätigkeit der Politik
In einer gemeinsamen Erklärung vom 06.03.2026 fordern zahlreiche deutsche Wirtschaftverbände die Bundesregierung zu zeitnahen Reformen auf. Die Standortbedingungen in Deutschland hätten sich "erheblich verschlechtert". Angesichts des "rasant und ungebremst" steigenden Gesamtsozialversicherungsbeitrags müsse sichergestellt werden, dass die Sozialversicherung leistungsfähig und finanzierbar bleibe und Arbeitgeber und Beschäftigte nicht immer weiter belastet würden. "Versicherungsfremde Leistungen", so die Verbände ausdrücklich, sollten dabei komplett aus Steuermitteln finanziert werden. Trotz entsprechender Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, zahlreichen Aufrufen von Leistungserbringern, Gewerkschaften, Verbraucherverbänden und Sozialverbänden sowie Milliardenklagen der Krankenkassen, hat sich die Bundesregierung hierzu bislang jedoch nicht bewegt (vgl. "Links zum Thema").

Schlechten Standortbedingungen und hohen Abgabelasten hätte die deutsche Wirtschaft lange trotzen können, heißt es in der Erklärung. Nach drei Jahren ohne Wachstum sprächen jedoch viele Indikatoren dafür, dass die "Widerstandskräfte erodieren und auf einen Kipppunkt zusteuern".

Unterzeichnet haben die Erklärung unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).
GKV-Überschuss reicht nicht für Mindestrücklage

Das vermeintlich positive und mit hohen Beitragssätzen erkaufte Ergebnis der Krankenkassen reicht jedoch nicht aus. Die Finanzreserven der Krankenkassen sind zum 3. Quartal 2025 (5,4 Milliarden Euro) sogar leicht gesunken und betrugen zum Ende des Jahres 2025 nur noch rund 5,1 Milliarden Euro . Dies entspricht 0,18 Monatsausgaben und liegt damit weiter unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve in Höhe von 0,2 Monatsausgaben.

Das Problem der zu geringen Rücklagen begleitet die Kassen schon seit Jahren und ist politisch bedingt. Mit einst hohen Rücklagen (2018: 21 Milliarden Euro) wurden Begehrlichkeiten der Politik geweckt. Mit dem Slogan "die Krankenkassen sind keine Sparkassen" zog der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) durch die Medienlandschaft und nutzte das Geld der Beitragszahler für teure Reformen zu Gunsten der Leistungserbringer. Drei Jahre später waren die Rücklagen bereits auf 11 Milliarden Euro gesunken. Fortgesetzt wurde diese Politik von Karl Lauterbach (SPD) ab 2021. Beiden Ministern war es hierdurch möglich, teure Pläne zu Lasten der Beitragszahler umzusetzen, ohne dass die Ausgaben hiefür an einem entsprechend höheren Beitragssatz ablesbar waren oder von strukturellen Reformen begleitet wurden. Der Preis war das Ausbluten der Krankenkassen bis zu einem Tiefpunkt der Rücklagen (nach der Amtszeit beider Minister) Anfang 2025 mit 3,6 Milliarden Euro bzw. 0,1 Monatsausgaben. Mehr Infos hierzu unter "Links zum Thema".

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15.01.2026 über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im vorläufigen Rechnungsergebnis 2025 ein Defizit von 0,6 Milliarden Euro.

Entwicklungen bei den Ausgaben

Die Krankenkassen verzeichneten 2025 einen Anstieg der Leistungsausgaben und Verwaltungskosten um 7,8 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 7,9 Prozent (24,6 Milliarden Euro), die Verwaltungskosten um 4,7 Prozent (602 Millionen Euro). Details zu wichtigen Ausgabebereichen:

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind 2025 um 9,6 Prozent bzw. 9,7 Milliarden Euro gestiegen und stellen damit den maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar. Ursächlich seien laut BMG vor allem hohe Vergütungssteigerungen sowie die Refinanzierung bisher nicht abgebildeter Tarifkostensteigerungen aus dem Jahr 2024. Zudem tragen die stark steigenden Aufwendungen für psychiatrische Behandlungen (+11,7 Prozent bzw. 1,2 Milliarden Euro) und die per Selbstkostendeckungsprinzip finanzierten Pflegepersonalkosten (+12,0 Prozent bzw. 2,7 Milliarden Euro) zum starken Ausgabenanstieg bei.

Arzneimittel
Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen um 5,9 Prozent bzw. 3,2 Milliarden Euro. Innerhalb der Arzneimittel verzeichnen die Aufwendungen für Arzneimittel im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung deutlich überdurchschnittliche Zuwächse (+27,1 Prozent bzw. 858 Millionen Euro).

Ambulante Behandlung
Die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen stiegen 2025 um 7,6 Prozent bzw. 3,8 Milliarden Euro. Neben dem Anstieg des bundeseinheitlichen Orientierungspunktwertes um 3,85 Prozent tragen die steigenden Ausgaben für das ambulante Operieren (+15,7 Prozent bzw. 417 Millionen Euro) zur Steigerung bei. Ursache sind vor allem die 2024 eingeführten Eingriffe mit spezieller sektorengleicher Vergütung (Hybrid-DRGs), die u.a. zu einer Ambulantisierung bisher häufig stationär durchgeführter Behandlungen führen. Auch die Aufwendungen für die ambulante spezialfachärztliche Behandlung (+16,3 Prozent bzw. 98 Millionen Euro), Behandlungen in Hochschulambulanzen (+8,9 Prozent bzw. 128 Millionen Euro) und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (+15,2 Prozent bzw. 134 Millionen Euro) zeigten ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum.

Prävention, Rehabilitation, Heilmittel
Die Ausgaben für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen entwickelten sich mit einer Steigerung von 10,0 Prozent bzw. 468 Millionen Euro ungebrochen dynamisch. Die Aufwendungen für Behandlungen durch Heilmittelerbringer stiegen 2025 um 10,4 Prozent bzw. 1,4 Milliarden Euro. Dynamisch wirkt sich in 2025 dabei die Entwicklung der Aufwendungen für Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung der Heilmittelerbringer (sog. "Blankoverordnung") aus, für die 2025 Aufwendungen von 557 Millionen Euro in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie verzeichnet wurden.

Fahrkosten
Auch die Aufwendungen für Fahrkosten verzeichnen mit 8,9 Prozent (852 Millionen Euro) eine hohe Wachstumsrate. Innerhalb des Bereichs weisen vor allem die Aufwendungen für Fahrten mit Rettungswagen (10,0 Prozent bzw. 462 Millionen Euro) sowie die Aufwendungen für Flugrettungen (19,2 Prozent bzw. 56 Millionen Euro) hohe Wachstumsraten auf.

Verwaltungskosten

Die Verwaltungskosten der Krankenkassen entwickeln sich sowohl im Teilbereich der sächlichen Verwaltungskosten (4,4 Prozent bzw. 228 Millionen Euro) als auch der persönlichen Verwaltungskosten (6,0 Prozent bzw. 644 Millionen Euro) wesentlich moderater als die Leistungsausgaben. Das Wachstum der Nettoverwaltungskosten (inkl. Verwaltungskostenerstattungen) von 4,7 Prozent ist somit deutlich geringer als das Wachstum der Leistungsausgaben.

Die endgültigen Finanzergebnisse der Krankenkassen für das Gesamtjahr 2025 werden ebenso wie die Daten des 1. Quartals 2026 Mitte Juni 2026 vorliegen.


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