Finanzergebnis der GKV für 2025
Krankenkassen trotz Überschuss und hoher Beitragssätze unter Druck
11.03.2026·Die gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahr 2025 einen Überschuss in Höhe von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Trotzdem gelang es ihnen nicht, die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve aufzubauen. Grund sind die weiterhin stark steigenden Ausgaben. Entsprechende Reformen der Politik, um diese Spirale zu durchbrechen, sind 2025 erneut ausgeblieben.
Schlechten Standortbedingungen und hohen Abgabelasten hätte die deutsche Wirtschaft lange trotzen können, heißt es in der Erklärung. Nach drei Jahren ohne Wachstum sprächen jedoch viele Indikatoren dafür, dass die "Widerstandskräfte erodieren und auf einen Kipppunkt zusteuern".
Unterzeichnet haben die Erklärung unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).
Das vermeintlich positive und mit hohen Beitragssätzen erkaufte Ergebnis der Krankenkassen reicht jedoch nicht aus. Die Finanzreserven der Krankenkassen sind zum 3. Quartal 2025 (5,4 Milliarden Euro) sogar leicht gesunken und betrugen zum Ende des Jahres 2025 nur noch rund 5,1 Milliarden Euro . Dies entspricht 0,18 Monatsausgaben und liegt damit weiter unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve in Höhe von 0,2 Monatsausgaben.
Das Problem der zu geringen Rücklagen begleitet die Kassen schon seit Jahren und ist politisch bedingt. Mit einst hohen Rücklagen (2018: 21 Milliarden Euro) wurden Begehrlichkeiten der Politik geweckt. Mit dem Slogan "die Krankenkassen sind keine Sparkassen" zog der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) durch die Medienlandschaft und nutzte das Geld der Beitragszahler für teure Reformen zu Gunsten der Leistungserbringer. Drei Jahre später waren die Rücklagen bereits auf 11 Milliarden Euro gesunken. Fortgesetzt wurde diese Politik von Karl Lauterbach (SPD) ab 2021. Beiden Ministern war es hierdurch möglich, teure Pläne zu Lasten der Beitragszahler umzusetzen, ohne dass die Ausgaben hiefür an einem entsprechend höheren Beitragssatz ablesbar waren oder von strukturellen Reformen begleitet wurden. Der Preis war das Ausbluten der Krankenkassen bis zu einem Tiefpunkt der Rücklagen (nach der Amtszeit beider Minister) Anfang 2025 mit 3,6 Milliarden Euro bzw. 0,1 Monatsausgaben. Mehr Infos hierzu unter "Links zum Thema".
Ergebnis des Gesundheitsfonds
Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15.01.2026 über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im vorläufigen Rechnungsergebnis 2025 ein Defizit von 0,6 Milliarden Euro.
Entwicklungen bei den Ausgaben
Die Krankenkassen verzeichneten 2025 einen Anstieg der Leistungsausgaben und Verwaltungskosten um 7,8 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 7,9 Prozent (24,6 Milliarden Euro), die Verwaltungskosten um 4,7 Prozent (602 Millionen Euro). Details zu wichtigen Ausgabebereichen:
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind 2025 um 9,6 Prozent bzw. 9,7 Milliarden Euro gestiegen und stellen damit den maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar. Ursächlich seien laut BMG vor allem hohe Vergütungssteigerungen sowie die Refinanzierung bisher nicht abgebildeter Tarifkostensteigerungen aus dem Jahr 2024. Zudem tragen die stark steigenden Aufwendungen für psychiatrische Behandlungen (+11,7 Prozent bzw. 1,2 Milliarden Euro) und die per Selbstkostendeckungsprinzip finanzierten Pflegepersonalkosten (+12,0 Prozent bzw. 2,7 Milliarden Euro) zum starken Ausgabenanstieg bei.
Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen um 5,9 Prozent bzw. 3,2 Milliarden Euro. Innerhalb der Arzneimittel verzeichnen die Aufwendungen für Arzneimittel im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung deutlich überdurchschnittliche Zuwächse (+27,1 Prozent bzw. 858 Millionen Euro).
Die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen stiegen 2025 um 7,6 Prozent bzw. 3,8 Milliarden Euro. Neben dem Anstieg des bundeseinheitlichen Orientierungspunktwertes um 3,85 Prozent tragen die steigenden Ausgaben für das ambulante Operieren (+15,7 Prozent bzw. 417 Millionen Euro) zur Steigerung bei. Ursache sind vor allem die 2024 eingeführten Eingriffe mit spezieller sektorengleicher Vergütung (Hybrid-DRGs), die u.a. zu einer Ambulantisierung bisher häufig stationär durchgeführter Behandlungen führen. Auch die Aufwendungen für die ambulante spezialfachärztliche Behandlung (+16,3 Prozent bzw. 98 Millionen Euro), Behandlungen in Hochschulambulanzen (+8,9 Prozent bzw. 128 Millionen Euro) und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (+15,2 Prozent bzw. 134 Millionen Euro) zeigten ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum.
Die Ausgaben für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen entwickelten sich mit einer Steigerung von 10,0 Prozent bzw. 468 Millionen Euro ungebrochen dynamisch. Die Aufwendungen für Behandlungen durch Heilmittelerbringer stiegen 2025 um 10,4 Prozent bzw. 1,4 Milliarden Euro. Dynamisch wirkt sich in 2025 dabei die Entwicklung der Aufwendungen für Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung der Heilmittelerbringer (sog. "Blankoverordnung") aus, für die 2025 Aufwendungen von 557 Millionen Euro in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie verzeichnet wurden.
Auch die Aufwendungen für Fahrkosten verzeichnen mit 8,9 Prozent (852 Millionen Euro) eine hohe Wachstumsrate. Innerhalb des Bereichs weisen vor allem die Aufwendungen für Fahrten mit Rettungswagen (10,0 Prozent bzw. 462 Millionen Euro) sowie die Aufwendungen für Flugrettungen (19,2 Prozent bzw. 56 Millionen Euro) hohe Wachstumsraten auf.
Verwaltungskosten
Die Verwaltungskosten der Krankenkassen entwickeln sich sowohl im Teilbereich der sächlichen Verwaltungskosten (4,4 Prozent bzw. 228 Millionen Euro) als auch der persönlichen Verwaltungskosten (6,0 Prozent bzw. 644 Millionen Euro) wesentlich moderater als die Leistungsausgaben. Das Wachstum der Nettoverwaltungskosten (inkl. Verwaltungskostenerstattungen) von 4,7 Prozent ist somit deutlich geringer als das Wachstum der Leistungsausgaben.
Die endgültigen Finanzergebnisse der Krankenkassen für das Gesamtjahr 2025 werden ebenso wie die Daten des 1. Quartals 2026 Mitte Juni 2026 vorliegen.
- Details zu den aktuellen Finanzergebnissen der GKV (extern, PDF, 314 KB)
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