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Dienstag, 20.11.2018

News & Meldungen

Rekord bei Finanzreserven

Krankenkassen erzielen Überschuss von 720 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2018

05.09.2018·Die gesetzlichen Krankenkassen haben im 1. Halbjahr des Jahres 2018 einen Überschuss von rund 720 Millionen Euro erzielt. Damit haben die Finanzreserven der Krankenkassen bis Ende Juni 2018 erstmals die Grenze von 20 Milliarden Euro überschritten.

Den Einnahmen der Kassen in Höhe von rund 120,3 Milliarden Euro standen den offiziellen Daten des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) nach Ausgaben von rund 119,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 3,3 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von knapp 0,9 Prozent einen Zuwachs von 3,8 Prozent. Der Anstieg derjenigen Ausgaben, für die die Krankenkassen Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich erhalten, lag bei 4,0 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,07 Prozent und damit um 0,04 Prozentpunkte unterhalb des Vergleichsquartals.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) führt die Überschüsse auch auf die gute wirtschaftliche Lage zurück und rief die Kassen zur Senkung der Zusatzbeitragssätze auf. Die Rekordrücklagen von mehr als 20 Milliarden Euro entsprächen im Durchschnitt mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.

Nach dem Versichertenentlastungsgesetz (VEG) dürfen die Finanzreserven einer Krankenkasse den Umfang einer Monatsausgabe künftig nicht mehr überschreiten. Überschüssige Beitragseinnahmen müssen ab dem Jahr 2020 über einen Zeitraum von drei Jahren abgebaut werden (vgl. "Links zum Thema").

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Bei einer differenzierten Betrachtung nach Krankenkassenarten ergibt sich den BMG-Angaben nach folgendes Bild: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) verzeichneten im 1. Halbjahr einen Überschuss von rund 371 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 151 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKK) von 80 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKK) von 40 Millionen Euro und die Knappschaft-Bahn-See von 84 Millionen Euro. Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung erzielte ein geringes Defizit von 6 Millionen Euro.

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2018 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Halbjahr 2018 einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 3,05 Milliarden Euro. Daraus, so das BMG, könnten keine Rückschlüsse auf eine ähnliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden. Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen flössen, unterlägen die Einnahmen vor allem durch Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen unterjährig erheblichen Schwankungen.

Durch die äußerst günstige Entwicklung der Beitragseinnahmen des Gesundheitsfonds bei einem Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen im 1. Halbjahr von 4,0 Prozent profitiere die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wie die anderen Sozialversicherungszweige auch weiterhin von der ausgezeichneten Wirtschaftslage mit einer positiven Lohn- und Beschäftigungsentwicklung.

Moderate Ausgabenzuwächse

Bei den Ausgaben der Krankenkassen gab es im 1. Halbjahr 2018 einen Zuwachs von 3,8 Prozent bei deutlich steigenden Versichertenzahlen von knapp 0,9 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen um 3,7 Prozent, die Verwaltungskosten um 6,5 Prozent. Bei der Interpretation der Daten des 1. Halbjahrs ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in einigen Leistungsbereichen von Schätzungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht vorliegen.

Entwicklungen in einzelnen Leistungsbereichen

Krankenhausbehandlung
Die Ausgaben für sind im 1. Halbjahr 2018 um 3,0 Prozent und damit nur moderat gestiegen. Bei Preisabschlüssen zwischen 2,5 und 3 Prozent spreche vieles dafür, dass die Mengenentwicklung in den Krankenhäusern wie im Vorjahr moderat verläuft.

Arzneimittel
Die Ausgaben stiegen um 3,9 Prozent. Hierbei spielen laut BMG weiterhin die Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel eine zentrale Rolle. Bei den Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen und pharmazeutischen Unternehmern gab es eine Erhöhung des Erstattungsvolumens von 6,5 Prozent.

Ambulante Behandlung
Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben um rund 2,6 Prozent. Bei den Ausgaben für ärztliche Behandlung ist zu beachten, dass es bereits im Jahr 2017 bei einer Reihe von Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit vergleichsweise niedrigen Leistungsausgaben auf Grund der sog. "Konvergenzregelung" zu höheren Vergütungsabschlüssen gekommen ist. Diese haben dazu geführt, dass der Ausgabenzuwachs im vergangenen Jahr mit 4,3 Prozent deutlich höher lag. Erhebliche Zuwächse verbuchten im 1. Halbjahr 2018 die Hochschulambulanzen, deren Ausgaben um 19 Prozent gestiegen sind.

Bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung betrug der Anstieg ebenfalls 2,1 Prozent, beim Zahnersatz lediglich 0,3 Prozent.

Heilmittel
Die Ausgaben sind mit 7,4 Prozent deutlich überproportional gestiegen. Bei Heilmitteln machen sich vor allem die schrittweise erfolgten Honorarerhöhungen auf Grund des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes bemerkbar, die zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Heilmittelerbringer beitragen sollen. Der Zuwachs bei Hilfsmitteln betrug 4,0 Prozent.

Verwaltungskosten

Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen sind nach deutlich unterproportionalen Anstiegen in den Vorjahren im 1. Halbjahr 2018 um 6,5 Prozent gestiegen. Rechnet man die erhöhten Zuführungen zu den Alterungsrückstellungen im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr heraus, lag der Anstieg der Netto-Verwaltungskosten bei rund 3,4 Prozent.

Ausblick und Zusatzbeitragssatz 2019

Nach den Finanzergebnissen des 1. Halbjahres geht das BMG davon aus, dass die GKV auch das Gesamtjahr 2018 mit einem deutlichen Überschuss abschließen wird. Mit der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung 2019 werde sich Mitte Oktober der GKV-Schätzerkreis der Finanzexperten von Bundesversicherungsamt (BVA), BMG und GKV-Spitzenverband befassen. Nach Auswertung der Ergebnisse des GKV-Schätzerkreises wird das BMG bis zum 01.11.2018 den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2019 bekanntgeben. Für das Jahr 2018 wurde er Ende 2017 auf 1,0 Prozent festgelegt.

 

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