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Mittwoch, 22.05.2019

News & Meldungen

Versteckte Verschuldung

Pflegebeitragssatz könnte bis 2040 auf knapp 8 Prozent steigen

14.05.2019·Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hat eine Analyse vorgelegt, wonach die soziale Pflegeversicherung "versteckt" mit über 400 Milliarden Euro verschuldet sei. In der Folge könnte der Beitragssatz bis 2040 auf knapp 8 Prozent steigen. Betroffen hiervon wären vor allem die heute jungen Beitragszahler. Das WIP spricht sich deshalb für strukturelle Änderungen in der Finanzierung der Pflegeversicherung aus.

Die Analyse des WIP zeigt die zunehmende finanzielle Belastung der jüngeren Generation auf. Schon heute betrage die implizite Verschuldung der sozialen Pflegeversicherung rund 435 Milliarden Euro. Diese "versteckte" Schuld errechne sich aus den zukünftigen Leistungsversprechen, die im Rahmen der aktuellen Beitragszahlungen nicht gedeckt seien. Die implizite Schuld hat das WIP methodisch über die Modellierung eines fiktiven Kapitaldeckungssystems für das Versichertenkollektiv der sozialen - also gesetzlichen - Pflegeversicherung ermittelt.

Demografischer Wandel treibt Pflegebeiträge

Schon durch den demografischen Wandel, so das WIP, werde der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung bis 2040 deutlich steigen. "Selbst wenn man entgegen allen Erfahrungen davon ausgeht, dass sich Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung in Zukunft gleich entwickeln, wird der SPV-Beitragssatz bis 2040 auf mindestens 4,1 Prozent steigen. Sollten Ausgaben und Einnahmen der Pflegeversicherung dagegen weiter auseinanderdriften, wird der Beitragssatz 2040 zwischen 5 und knapp 8 Prozent liegen", so das WIP in einem Pressegespräch am 13.05.2019.

Für die Pflegeversicherten wäre das eine enorme Mehrbelastung: Schon bei einem Anstieg auf "nur" 4,1 Prozent müsse ein 1989 Geborener mit Durchschnittseinkommen im ganzen Leben mehr als 38.000 Euro an die Pflegeversicherung zahlen. Das seien 50 Prozent mehr als bei 1966 geborenen Versicherten.

WIP: Pflegeversicherung braucht Kapitaldeckung

In Folge der erwarteten Beitragssteigerungen drohe auch die politisch gewollte 40-Prozent-Grenze bei der Sozialabgabenbelastung überschritten zu werden. Das WIP warnt daher: Reformen der Pflegefinanzierung sollten unbedingt auch die Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit im Blick haben. Um die nachfolgenden Generationen nicht noch stärker zu belasten, sollten zusätzliche Leistungen daher kapitalgedeckt abgesichert werden.

Da die jüngeren Generationen auch schon für die Leistungen in anderen Sozialversicherungen wie der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung aufkommen müssten, "darf die Umlagefinanzierung nach dem Motto ´Jung für Alt´ in der Pflegeversicherung keinesfalls weiter ausgebaut werden", erklärte Florian Reuther, Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), am 08.05.2019 in Berlin. Forderungen nach höheren Steuerzuschüssen oder einer "Pflege-Bürgerversicherung" seien deshalb nicht zielführend. Sie würden die Belastungen der jüngeren Generationen noch verschärfen.

Unproblematisch wäre es stattdessen, die Pflegeleistungen für deutlich mehr Menschen als bisher im Kapitaldeckungsverfahren abzusichern. Bei diesem in der PKV üblichen Finanzierungsverfahren würden die Beiträge der Versicherten in jüngeren Lebensjahren verzinslich angelegt und im Alter wieder aufgelöst. Damit sorge jede Generation für sich selbst vor - nachhaltig, generationengerecht und ohne versteckte Schulden.

Details zur Finanzierungssystematik der Pflegeausgaben und zum fiktiven Kapitaldeckungsverfahren in der Pflegeversicherung finden Sie in der Analyse des WIP unter "Links zum Thema".

 

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