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Mittwoch, 08.04.2020

News & Meldungen

Vorstandsbezüge erreichen 49,6 Millionen Euro

Das verdienen die Chefs der Krankenkassen/-verbände, des MDK und der Ärzteorganisationen

03.03.2020·Rund 150 Institutionen des Gesundheitswesens haben zum 01.03.2020 die Vergütungen ihrer Vorstände und Geschäftsführungen für 2019 veröffentlicht. Mit dabei sind die Zahlen der Ersatzkassen, Allgemeinen Ortskrankenkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen. Trotz Spitzenverdienste bei den Kassenvorständen bis 343.728,48 Euro und vereinzelnd hoher Steigerungsraten von knapp 20 Prozent ist der TOP-Verdiener in der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems auch für 2019 erneut in einem anderen Bereich zu finden.

Schon seit 2004 müssen die Vorstandsbezüge veröffentlicht werden, seit 2013 gilt darüber hinaus ein sogenannter Genehmigungsvorbehalt der jeweiligen Aufsichtsbehörde. Unter die Meldepflicht fallen sowohl die Grundvergütungen (Fixgehalt) als auch die variablen, erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteile. Weitere Inhalte sind Aufwendungen für Dienstwagen sowie Regelungen zur Altersvorsorge und im Fall des Ausscheidens aus dem Amt.

Knapp 50 Millionen Euro für Vorstände und Geschäftsführer

In Summe haben Krankenkassen, MDK und Kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen im Jahr 2019 alleine für die Vorsitzenden der bis zu dreiköpfigen Vorstände bzw. Geschäftsführungen nach den aktuellen Veröffentlichungen einen Gesamtbetrag von 28,8 Millionen Euro aufgewendet. Auf die Kassen entfallen hiervon 15,58 Millionen Euro, auf die Kassenverbände 1,49 Millionen Euro, auf den MDK/MDS 2,69 Millionen Euro, auf die KBV/KVn 4,92 Millionen Euro und auf die KZBV/KZVn 4,16 Millionen Euro. Rechnet man die für 2019 veröffentlichten Bezüge aller Mitglieder der Vorstände/Geschäftsführungen zusammen, ergibt sich eine Summe von 49,57 Millionen Euro (Kassen: 21,22 Millionen Euro, Kassenverbände: 2,25 Millionen Euro, MDK/MDS: 4,20 Millionen Euro, KBV/KVn: 11,58 Millionen, KZBV/KZVn: 10,31 Millionen Euro).

Nicht mitgerechnet sind bei den Summen die Betriebskrankenkassen ohne Veröffentlichungspflicht (vgl. unten) sowie Institutionen, die die Bezüge Ihrer Vorstände bzw. Geschäftsführer nicht gemeldet haben (z. B. der IKK e.V. und der BKK Dachverband).

Aktuelles Ranking nach Krankenkassen

Die TOP-10 der Kassenchefs liegen für 2019 alle über 240.000 Euro, mindestens sieben Vorstände erhielten in Summe jeweils über 250.000,00 Euro. Eine vollständige Übersicht aller aktuell von den Krankenkassen veröffentlichten Bezüge für 2019 und die Vorjahre finden Sie inklusive der Steigerungsraten im Thema "Krankenkassen" (vgl. Box und "Links zum Thema"). Die Angaben in der Übersicht wurden zur Vergleichbarkeit auf Jahreswerte hochgerechnet, sofern die Veröffentlichung - z. B. durch einen Wechsel im Vorstand - Teilzeiträume beinhaltet.

Nach den aktuell vorliegenden Meldungen haben sich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände in 23 Fällen negativ entwickelt. In vier Fällen betrug der Zuwachs dagegen deutlich über zehn Prozent, in einem Fall knapp 20 Prozent. Unterschiede gab es auch bei der Zusammensetzung der Bezüge - nur in 58 von 93 Fällen wurde noch ein variabler, erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteil gezahlt.

Die Top-Bezüge bei Krankenkassen im Jahr 2019
ab 240.000 Euro (Steigerung zum Vorjahr)

TK: 343.728,48 Euro (+3,00 Prozent)
BARMER: 306.438,00 Euro (+3,00 Prozent)
DAK: 301.990,02 Euro (+6,15 Prozent)
SBK: 277.034,40 Euro (-6,21 Prozent)
AOK B-W: 276.500,00 Euro (+6,35 Prozent)
AOK Niedersachsen: 253.447,03 Euro (+3,29 Prozent)
AOK Nordost: 251.884,14 Euro (+0,22 Prozent)
IKK classic: 247.925,00 Euro (-3,74 Prozent)
AOK PLUS: 246.100,00 Euro (+2,08 Prozent)
AOK Bayern: 245.125,00 Euro (-8,04 Prozent)
VIACTIV: 244.104,04 Euro (+0,92 Prozent)

Höchste Steigerungsraten

BKK VerbundPlus: +19,38 Prozent (auf 170.000,00 Euro)
BKK W&F: +14,65 Prozent (auf 104.400,00 Euro)
BERGISCHE: +14,23 Prozent (auf 154.500,00 Euro)
BKK EUREGIO: +12,39 Prozent (auf 169.390,40 Euro)*
Debeka BKK: +9,78 Prozent (auf 126.249,80 Euro)
R+V BKK: +8,69 Prozent (auf 173.910,00 Euro)
HEK: +8,65 Prozent (auf 198.046,00 Euro)
BKK MAHLE: +7,83 Prozent (auf 124.000,00 Euro)
BKK exklusiv: +7,63 Prozent (auf 137.550,00 Euro)
BKK SBH: +7,33 Prozent (auf 127.534,00 Euro)

*) einschließlich Einmalzahlung (Jubiläumszuwendung)

Von der Meldepflicht ausgenommene Krankenkassen

Die Pflicht zur Veröffentlichung der Vorstandsbezüge gilt nicht für alle Krankenkassen. Betriebskrankenkassen, deren Personalkosten ausschließlich vom Trägerunternehmen und damit nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden, müssen die Vorstandsvergütungen nicht veröffentlichen. Dies trift aktuell für folgende Kassen zu: BKK Krones, BKK B. Braun Aesculap, BKK Deutsche Bank AG, BKK EVM, BKK Grillo Werke, BKK Groz-Beckert, Karl Mayer, BKK Miele, BKK MTU Friedrichshafen GmbH, BMW BKK, Daimler BKK, Merck BKK, BKK Salzgitter, Südzucker BKK.

Fehlende Transparenz: Mehrfacheinkünfte und variable Vergütungen
Mehrfacheinkünfte/Ämterhäufung:

Werden Krankenkassen in Personalunion durch einen gemeinsamen Vorstand vertreten, so wird dessen Vergütung nicht kumuliert, sondern nur für jede Kasse einzeln veröffentlicht. Personalunionen gab es 2019 z. B. zwischen der BKK Salzgitter und den kleineren BKKn public und TUI. Die hierbei für die kleineren Kassen relativ geringen Bezüge verstehen sich für den Vorstand also in Summe mit der Vergütung der jeweils größeren Kasse.

Variable Vergütungsbestandteile:

Einen wesentlichen Teil der Gesamtvergütung können variable Vergütungsbestandteile wie Prämien und Sonderzahlungen ausmachen. Welche Ziele zur Auszahlung der variablen Vergütungsbestandteile erreicht werden müssen, bleibt bei der Veröffentlichungspflicht jeweils unberücksichtigt. Nach den aktuellen Veröffentlichungen erhielten die Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände folgender Kassen im Jahr 2019 die höchsten variablen Vergütungsbestandteile:

SBK: 111.434,40 Euro
Audi BKK: 66.000,00 Euro
AOK B-W: 61.500,00 Euro
Salus BKK: 60.939,05 Euro
AOK PLUS: 56.100,00 Euro
AOK Nordost: 53.303,45 Euro
AOK Hessen: 51.660,00 Euro
AOK Niedersachsen: 50.976,75 Euro
AOK Rheinland/Hamburg: 47.342,67 Euro
pronova BKK: 46.500,00 Euro

Die gesetzliche Meldepflicht bezieht sich nicht nur auf die Krankenkassen, sondern auch auf andere - mittelbar durch Beitragsgelder finanzierte - Körperschaften und Institutionen des Gesundheitswesens, z. B. die Kassenverbände, die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK/MDS) sowie die Abrechnungsstellen der Ärzte und Zahnärzte.

Verbände der Krankenkassen
Bezüge der Vorstandschefs/GF 2019 inkl. Steigerungsrate

GKV-Spitzenverband: 262.000,00 Euro (+1,55 Prozent)
AOK BV: 259.400,00 Euro (+2,91 Prozent)
vdek (Ersatzkassen): 220.000,00 Euro (+2,80 Prozent)
BKK Dachverband: keine Angaben bzw. Veröffentlichung
BKK LV Bayern: 220.600,00 Euro (+1,66 Prozent)
BKK LV Mitte: 153.088,00 Euro (+3,50 Prozent)
BKK LV Nordwest: 180.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
BKK LV Süd: 198.437,50 Euro (-4,94 Prozent)**
IKK e.V.: keine Angaben bzw. Veröffentlichung

**) Grundvergütung im Vorjahr wurde aus Daten bis 31.03. hochgerechnet

Medizinische Dienste der Krankenversicherung (MDK/MDS)
Bezüge der Geschäftsführer 2019 inkl. Steigerungsrate

Med. Dienst des Spitzenverbandes (MDS): 191.650,00 Euro (+3,15 Prozent)
Baden-Württemberg: 185.110,00 Euro (+5,30 Prozent)
Bayern: 205.686,00 Euro (+1,88 Prozent)
Berlin-Brandenburg: 185.089,04 Euro (+12,11 Prozent)
Bremen: 125.550,00 Euro (+2,84 Prozent)
Hessen: 168.970,88 Euro (+2,90 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 153.836,47 Euro (+3,24 Prozent)
Niedersachsen: 105.141,00 Euro (+3,47 Prozent)
Nord: 138.373,20 Euro (+2,00 Prozent)
Nordrhein: 159.990,58 Euro (+8,65 Prozent)
Rheinland-Pfalz (stv. GF da GF vakant): 159.926,04 Euro (+0,54 Prozent)
Saarland: 137.263,82 Euro (+3,06 Prozent)
Sachsen: 152.550,00 Euro (+4,41 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 152.000,04 Euro (+11,46 Prozent)***
Thüringen: 156.484,89 Euro (-2,45 Prozent)
Westfalen-Lippe: 155.996,71 Euro (-16,06 Prozent)

***) GF-Wechsel zum 01.07.2018

Ärztevertreter erneut TOP-Verdiener

Innerhalb der Selbstverwaltung des Gesundheitsystems ist für 2019 erneut der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, der TOP-Verdiener. Gassen übt das Amt seit 01.03.2014 aus. Laut KBV beinhaltet die Gesamtvergütung insgesamt 23.977,31 Euro "Fahrtkosten" als variabler Vergütungsbestandteil. Die Grundvergütung liegt damit bei 347.876,60 Euro und nur noch knapp über der des Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas (343.728,48 Euro).

Kassenärztliche Vereinigungen (KVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2019 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KBV): 371.853,91 Euro (+1,21 Prozent)
Baden-Württemberg: 277.500,00 Euro (+0,0 Prozent)
Bayern: 310.588,05 Euro (+2,85 Prozent)
Berlin: 244.494,00 Euro (+2,00 Prozent)
Brandenburg: 282.541,19 Euro (-5,78 Prozent)
Bremen: 278.894,32 Euro (+2,98 Prozent)
Hamburg: 265.496,63 Euro (+3,86 Prozent)
Hessen: 262.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 233.200,00 Euro (+2,48 Prozent)
Niedersachsen: 316.241,99 Euro (+16,05 Prozent, inkl. Jubiläumszuwendung)
Nordrhein: 270.000,00 Euro (+2,27 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 230.880,81 Euro (+4,95 Prozent)
Saarland: 267.000,00 Euro (+5,95 Prozent)
Sachsen: 264.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 267.585,60 Euro (+1,90 Prozent)
Schleswig-Holstein: 260.262,83 Euro (+2,21 Prozent)
Thüringen: 240.000,00 Euro (+0,0 Prozent)
Westfalen-Lippe: 273.842,00 Euro (+1,80 Prozent)

Kassenzahnärztliche Vereinigungen (KZVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2019 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KZBV): 323.569,01 Euro (+2,21 Prozent)
Baden-Württemberg: 234.763,00 Euro (+0,00 Prozent)
Bayern: 280.101,60 Euro (+2,65 Prozent)
Berlin: 229.928,40 Euro (+2,00 Prozent)
Brandenburg: 196.368,00 Euro (+5,57 Prozent)
Bremen: 219.396,00 Euro (+3,01 Prozent)
Hamburg: 180.576,00 Euro (+3,99 Prozent)
Hessen: 224.532,00,00 Euro (+2,65 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 203.528,77 Euro (+2,57 Prozent)
Niedersachsen: 230.400,00 Euro (+0,00 Prozent)
Nordrhein: 277.384,00 Euro (+7,92 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 271.453,76 Euro (+1,82 Prozent)
Saarland: 179.921,88 Euro (+7,74 Prozent)
Sachsen: 215.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 228.473,57 Euro (+2,00 Prozent)
Schleswig-Holstein: 193.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Thüringen: 236.831,04 Euro (+2,21 Prozent)
Westfalen-Lippe: 233.016,12 Euro (+4,06 Prozent)

 

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