Vorstandsvergütungen 2021

Das verdienen die Chefs der Krankenkassen/-verbände, des Medizinischen Dienstes und der Ärzteorganisationen

22.03.2022·Knapp 150 Institutionen des Gesundheitswesens haben zum 01. März die Vergütungen ihrer Vorstände und Geschäftsführungen für 2021 veröffentlicht. Mit dabei sind die Zahlen der Ersatzkassen, Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Betriebs- (BKK) und Innungskrankenkassen (IKK). Trotz Spitzenverdienste bei den Kassenvorständen bis 364.661,52 Euro und teils zweistelligen Steigerungsraten zum Vorjahr ist der TOP-Verdiener in der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems auch für 2021 erneut in einem anderen Bereich zu finden.

Schon seit 2004 müssen die Vorstandsbezüge jährlich zum 01. März des Folgejahres veröffentlicht werden, seit 2013 gilt darüber hinaus ein sogenannter Genehmigungsvorbehalt der jeweiligen Aufsichtsbehörde. Unter die Meldepflicht fallen sowohl die Grundvergütungen (Fixgehalt) als auch die variablen, erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteile. Weitere Inhalte sind Aufwendungen für Dienstwagen sowie Regelungen zur Altersvorsorge und für den Fall des Ausscheidens aus dem Amt.

Aktuelles Ranking nach Krankenkassen

Alleine im Rahmen ihrer fixen und variablen Vergütungen lagen die TOP 10 der Kassenchefs im Jahr 2021 alle über 250.000 Euro, vier von ihnen über 300.000 Euro. Hinzu kommen jeweils Zusatzleistungen zur Altersversorgung (Betriebsrente/privat) und PKW.

Eine vollständige Übersicht aller aktuell von den Krankenkassen veröffentlichten Bezüge für 2021 und die Vorjahre finden Sie inklusive der jeweiligen Steigerungsraten im Thema "Krankenkassen" (vgl. Box und "Links zum Thema"). Die Angaben in der Übersicht wurden zur Vergleichbarkeit auf Jahreswerte hochgerechnet, sofern die Veröffentlichung - z. B. durch einen Wechsel im Vorstand - Teilzeiträume beinhaltet. Erstmals für das Vergütungsjahr 2021 weist die Übersicht auch die Zusatzleistungen und die Gesamtaufwendungen der Kassen aus. Einen Großteil der zusätzlich zur fixen und ggf. variablen Vergütung aufgewendeten Mittel machen dabei die Leistungen zur Zusatzversorgung der Vorstände (Betriebsrente bzw. Zuschüsse zur privaten Vorsorge) aus.

Nach den aktuell vorliegenden Meldungen haben sich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände in 9 Fällen negativ entwickelt (Vorjahr: 11). In sieben Fällen betrug der Zuwachs dagegen über zehn Prozent. Unterschiede gab es auch bei der Zusammensetzung der Bezüge - nur in 53 von 87 Fällen wurde ein variabler, erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteil gezahlt.

Die Top-Bezüge bei Krankenkassen im Jahr 2021
ab 250.000 Euro (Steigerung zum Vorjahr)

TK: 364.661,52 Euro (+3,00 Prozent)
BARMER: 325.100,00 Euro (+3,00 Prozent)
DAK: 314.129,04 Euro (+1,48 Prozent)
SBK: 305.485,50 Euro (+6,97 Prozent)
IKK classic: 279.335,00 Euro (+12,22 Prozent)
AOK B-W: 270.000,00 Euro (+8,00 Prozent)
AOK Niedersachsen: 267.571,01 Euro (+2,52 Prozent)
AOK Bayern: 262.562,00 Euro (-0,12 Prozent)
KKH: 257.760,00 Euro (+1,46 Prozent)
VIACTIV: 253.931,53 Euro (+2,94 Prozent)

Höchste Steigerungsraten

BKK24: 178.809,92 Euro (+17,24 Prozent)
BKK RWE: 150.961,00 Euro (+13,81 Prozent)
BKK EWE: 131.635,10 Euro (+12,28 Prozent))
IKK classic: 279.335,00 Euro (+12,22 Prozent)
BKK Achenbach: 141.979,00 Euro (+10,82 Prozent)
IKK - Die Innovationskasse: 219.446,20 Euro (+10,31 Prozent)
Debeka BKK: 147.854,98 Euro (+10,04 Prozent)
BKK Akzo Nobel: 172.970,00 Euro (+8,97 Prozent)
Salus BKK: 248.192,04 Euro (+8,69 Prozent)
BKK EUREGIO: 160.900,80 Euro (+8,45 Prozent)

Von der Meldepflicht ausgenommene Krankenkassen

Die Pflicht zur Veröffentlichung der Vorstandsbezüge gilt nicht für alle Krankenkassen. Betriebskrankenkassen, deren Personalkosten ausschließlich vom Trägerunternehmen und damit nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden, müssen die Vorstandsvergütungen nicht veröffentlichen. 2021 traf dies auf folgende Kassen zu: BKK Krones, BKK B. Braun Aesculap, BKK Deutsche Bank AG, BKK EVM, BKK Grillo Werke, BKK Groz-Beckert, Karl Mayer, BKK Miele, BKK MTU Friedrichshafen GmbH, BMW BKK, Daimler BKK, Merck BKK, BKK Salzgitter, Südzucker BKK.

Fehlende Transparenz: Mehrfacheinkünfte und variable Vergütungen
Mehrfacheinkünfte/Ämterhäufung:

Werden Krankenkassen in Personalunion durch einen gemeinsamen Vorstand vertreten, so wird dessen Vergütung nicht kumuliert, sondern nur für jede Kasse einzeln veröffentlicht. Personalunionen gab es 2021 z. B. zwischen der BKK Salzgitter und den kleineren BKKn public und TUI. Die hierbei für die kleineren Kassen relativ geringen Bezüge verstehen sich für den Vorstand also in Summe mit der Vergütung der jeweils größeren Kasse.

Variable Vergütungsbestandteile:

Einen wesentlichen Teil der Gesamtvergütung können variable Vergütungsbestandteile wie Prämien und Sonderzahlungen ausmachen. Welche Ziele zur Auszahlung der variablen Vergütungsbestandteile erreicht werden müssen, bleibt bei der Veröffentlichungspflicht jeweils unberücksichtigt. Nach den aktuellen Veröffentlichungen erhielten die Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände folgender Kassen im Jahr 2021 die höchsten variablen Vergütungsbestandteile (absolut, ab 50 TEUR):

SBK: 133.765,50 Euro
Audi BKK: 66.000,00 Euro
Salus BKK: 64.825,05 Euro
AOK B-W: 60.000,00 Euro
AOK Niedersachsen: 53.766,25 Euro
BKK VBU: 52.200,00 Euro
pronova BKK: 52.000,00 Euro

Die vollständige Liste finden Sie unter "Links zum Thema"

Die gesetzliche Meldepflicht bezieht sich nicht nur auf die Krankenkassen, sondern auch auf andere - mittelbar durch Beitragsgelder finanzierte - Körperschaften und Institutionen des Gesundheitswesens, z. B. die Kassenverbände, die Medizinischen Dienste (MD/MD Bund) sowie die Abrechnungsstellen der Ärzte und Zahnärzte.

Verbände der Krankenkassen
Bezüge der Vorstandschefs/GF 2021 inkl. Steigerungsrate

GKV-Spitzenverband: 262.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
AOK BV: 268.400,00 Euro (+3,47 Prozent)
vdek (Ersatzkassen): 230.000,00 Euro (+2,22 Prozent)
BKK Dachverband: keine Angaben bzw. Veröffentlichung
BKK LV Bayern: 227.800,00 Euro (+1,61 Prozent)
BKK LV Mitte: 161.200,00 Euro (+1,81 Prozent)
BKK LV Nordwest: 183.200,00 Euro (-0,22 Prozent)
BKK LV Süd: 200.000,00 Euro (+25,00 Prozent)
IKK e.V.: keine Angaben bzw. Veröffentlichung

Medizinische Dienste (MD/MD Bund)
Bezüge der Geschäftsführer 2021 inkl. Steigerungsrate

Medizinischer Dienst Bund (MD Bund): 190.850,00 Euro (-1,80 Prozent)
Baden-Württemberg: 185.110,00 Euro (+0,03 Prozent)
Bayern: 217.524,00 Euro (+2,75 Prozent)
Berlin-Brandenburg: 177.943,88 Euro (+4,65 Prozent)
Bremen: 132.025,00 Euro (+2,53 Prozent)
Hessen: 178.391,00 Euro (+2,50 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 161.414,50 Euro (+2,30 Prozent)
Niedersachsen: 110.205,16 Euro (+1,58 Prozent)
Nord: 145.378,34 Euro (+2,50 Prozent)
Nordrhein: 167.376,36 Euro (+1,99 Prozent)
Rheinland-Pfalz: k. A.
Saarland: 143.888,22 Euro (+2,24 Prozent)
Sachsen: 164.160,00 Euro (+3,25 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 166.528,53 Euro (+0,13 Prozent)
Thüringen: 138.000,00 Euro (-25,78 Prozent)
Westfalen-Lippe: 147.382,00 Euro (-0,20 Prozent)

Ärztevertreter erneut TOP-Verdiener

Innerhalb der Selbstverwaltung des Gesundheitsystems ist für 2021 erneut der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, der TOP-Verdiener - allerdings nur noch knapp. Seine Grundvergütung beträgt 364.768,80 Euro (2020: 358.368,80 Euro) und liegt damit knapp über der des zweitplatzierten Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse (TK), Dr. Jens Baas (364.661,52 Euro, 2020: 354.040,32 Euro). Laut KBV beinhaltet die Gesamtvergütung Gassens 27.387,74 "Fahrtkosten" (2020: 36.497,93 Euro) als variablen Vergütungsbestandteil. Gassen übt das Amt seit 01.03.2014 aus.

Kassenärztliche Vereinigungen (KVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2021 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KBV): 392.156,54 Euro (-0,69 Prozent)
Baden-Württemberg: 277.500,00 Euro (+0,00 Prozent)
Bayern: 319.570,80 Euro (+1,23 Prozent)
Berlin: 280.349,88 Euro (+16,89 Prozent)
Brandenburg: 306.217,13 Euro (+0,00 Prozent)
Bremen: 240.000,00 Euro (-20,17 Prozent)
Hamburg: 276.222,60 Euro (+2,00 Prozent)
Hessen: 280.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 238.100,00 Euro (+2,10 Prozent)
Niedersachsen: 286.125,00 Euro (+0,00 Prozent)
Nordrhein: 259.877,00 Euro (+2,20 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 246.114,00 Euro (+0,00 Prozent)
Saarland: 267.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen: 289.200,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 277.850,04 Euro (+1,90 Prozent)
Schleswig-Holstein: 269.838,42 Euro (+1,77 Prozent)
Thüringen: 240.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Westfalen-Lippe: 260.000,00 Euro (-8,09 Prozent)

Kassenzahnärztliche Vereinigungen (KZVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2021 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KZBV): 325.162,80 Euro (+0,00 Prozent)
Baden-Württemberg: 251.103,00 Euro (+1,65 Prozent)
Bayern: 297.699,24 Euro (+2,53 Prozent)
Berlin: 239.217,36 Euro (+2,00 Prozent)
Brandenburg: 208.944,00 Euro (+6,40 Prozent)
Bremen: 229.197,00 Euro (1,30 Prozent)
Hamburg: 180.576,00 Euro (+0,00 Prozent)
Hessen: 244.116,00 Euro (+6,07 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 214.095,50 Euro (+0,36 Prozent)
Niedersachsen: 230.400,00 Euro (+0,00 Prozent)
Nordrhein: 274.991,00 Euro (+0,31 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 254.638,64 Euro (-7,40 Prozent)
Saarland: 182.440,79 Euro (+1,40 Prozent)
Sachsen: 220.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 249.843,50 Euro (+2,61 Prozent)
Schleswig-Holstein: 204.500,00 Euro (+0,23 Prozent)
Thüringen: 236.831,04 Euro (+0,00 Prozent)
Westfalen-Lippe: 246.476,52 Euro (+1,68 Prozent)


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