Virchowbund|09.01.2024

PRESSEMITTEILUNG

Krisengipfel auf halbem Weg stehen geblieben, Lauterbach versucht Ärzteschaft zu spalten

Berlin (kkdp)·Der Krisengipfel der ärztlichen Verbände mit Bundesgesundheitsminister Lauterbach zur Zukunft der ambulanten Versorgung ist auf halbem Weg stehen geblieben: "Sein Versuch, einseitig die hausärztliche Versorgung zu fördern und die Fachärzte weiterhin zu ignorieren, ist ein Versuch die Ärzteschaft zu spalten und das Gesundheitssystem komplett umzubauen", so der Virchowbund-Vorsitzende Dr. Dirk Heinrich nach dem Gespräch in Berlin. Die vorgelegten Vorschläge sind daher unvollständig und viel zu vage.

Hinweis der Redaktion

Nach einem Gespräch mit Vertretern von niedergelassenen Medizinern und Krankenkassen hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag (09.01.2024) mehr finanzielle Freiräume für Hausärzte angekündigt. Einen Gesetzentwurf hierzu wolle er noch im Januar 2024 vorlegen. Kernpunkte dabei sollen sein:

Wie schon für Kinderärzte sollen auch die Budgets für Hausärzte aufgehoben werden. Alle in den Praxen erbrachten Leistungen sollen damit bezahlt werden - Aufwand für Bürokratie soll gleichzeitig abgebaut werden.
Für chronisch erkrankte Erwachsene mit regelmäßigen Arzneimittelbedarf sollen Hausärzte künftig einmal jährlich eine Versorgungspauschale beim ersten Kontakt erhalten - unabhängig von weiteren Terminen. Vermeidbare Praxisbesuche sollen so entfallen.
Wie schon für Kliniken geplant, sollen auch Hausärzte eine "Vorhaltepauschale" erhalten können, wenn sie über bestimmte Kriterien wie Hausbesuche oder eine Mindestzahl an Versicherten in Behandlung besonders zur Versorgung beitragen.
Einmal pro Jahr sollen Hausarztpraxen eine qualifizierte Hitzeberatung für Risikogruppen abrechnen können.

Durch die Reform werden nach seinen Angaben Kosten in einem dreistelligen Millionenbereich anfallen. Wie hoch genau diese ausfallen werden, werde derzeit berechnet.

Für einen fachübergreifenden Verband wie den Virchowbund, der gut zur Hälfte hausärztliche Mitglieder hat, besteht die ambulante Versorgung im Wesentlichen durch das Miteinander aus hausärztlicher und fachärztlicher Grundversorgung (beispielsweise durch Gynäkologen, Internisten, Augenärzte, oder HNO-Ärzte). Es liegt seit heute auf der Hand, dass der Minister die Fachärzte auf mittlere Sicht in den Krankenhäusern statt in deren Praxen sieht. Eine fachärztliche Grundversorgung wird es dann im bisherigen Umfang nicht mehr geben. Damit wird Lauterbach zum Vater der Wartelistenmedizin und des Endes der freien Arztwahl in Deutschland. Und er wird damit auch zum Vater der Zwei-Klassen-Medizin, weil sich Patienten aus dieser Wartelistenmedizin herauskaufen werden.

"Wir haben gegenüber dem Bundesgesundheitsminister drei Vorschläge gemacht, wie kurzfristig auf die bestehenden Probleme reagiert werden kann: Zunächst sollte ein unterer Budgetdeckel eingeführt werden, der die Quotierung der Leistungen auf minimal 90 Prozent begrenzt. Dies kann aber nur ein Einstieg in eine vollständige Entbudgetierung sein. Alle Leistungen, die auf eine Überweisung hin erfolgen, sollen vollständig von Budgets befreit werden. Dadurch soll die hausärztliche Koordinationsleistung gestärkt werden. Zudem sollen alle Ärzte, die ihre Praxis in sozialen Brennpunkten betreiben, entbudgetiert werden. Hierfür gibt es bereits etablierte Sozialindizes, die Faktoren wie Arbeitslosenquote, Migrantenanteil oder Einkommensverhältnisse abbilden", berichtet Dr. Heinrich.

"Mit dem heutigen Gesprächsergebnis sind wir jedenfalls völlig unzufrieden. Wir beobachten, dass die Wut an der Basis weiter steigt. Daher ist für uns klar, dass die Proteste weitergehen müssen, wenn nicht die gesamte ambulante Versorgung durch Haus- und Fachärzte in den Blick genommen wird", so Dr. Heinrich.

Pressekontakt:

Dr. Diana Michl
Tel: 030 / 28 87 74 - 0
Fax: 030 / 28 87 74 - 115
presse@virchowbund.de


GKV-Newsletter
GKV-Newsletter - "einfach" informiert bleiben

Der kostenfreie Infoservice zur GKV und Gesundheitspolitik