Corona-Infektionszahlen

Lauterbach: "Die Sommerwelle ist Realität geworden"

14.06.2022·Angesichts der erneut steigenden Infektionszahlen in Deutschland ruft Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verstärkt zum Impfen auf. Im Interview mit der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (RP) äußerte sich der Minister besorgt: "Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden. Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung".

Weil die aktuelle Virusvariante sehr leicht übertragbar sei und fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen sind, verpuffe in diesem Jahr der Sommereffekt in der Pandemie, so Lauterbach. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Sieben-Tage-Inzidenz seit Montag von 332 auf heute 472 (92.344 Neuinfektionen) gestiegen. Verantwortlich für den erneut starken Anstieg seien die Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5. Nach Aussagen des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) mache BA.4 etwa 15 bis 16 Prozent des Infektionsgeschehens aus und BA.5 40 bis 50 Prozent. Erfasst werden in der Statistik jedoch nur positive PCR-Tests. Experten gehen deshalb seit einiger Zeit von einer tatsächlich höheren Infektionszahl aus, da nicht alle Infezierten auch einen PCR-Test machen lassen.

Aufruf zu mehr Impfungen

Anders als in den Vorjahren verpuffe nach Einschätzung Lauterbachs damit der Sommereffekt in der Pandemie für 2022. "Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich nochmal impfen zu lassen. Das verhindert nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindert schwere Krankheitsverläufe", sagte der Minister der RP. Bisher hätten in Deutschland nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) rund 5,2 Millionen Menschen (6,3 Prozent der Bevölkerung) eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten. Aktuell empfiehlt das RKI eine zweite Auffrischungsimpfung für Personen, die zu einer Risikogruppe gehören oder über 70 Jahre alt sind.

Forderungen an Politik

In der vergangenen Woche hatte der von der Bundesregierung eingesetzte Corona-Expertenrat seine Stellungnahme für die weitere Corona-Strategie vorgelegt. Diese war insbesondere auch von der Ärzteschaft begrüßt worden (vgl. "Links zum Thema"). Bund und Länder müssten nun die mit hoher Wahrscheinlichkeit steigenden Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit durch geeignete Maßnahmen abbremsen, fordert der Vorsitzende des Virchowbundes, des Verbandes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich: "Die Politik sollte sich darauf konzentrieren, die Corona-Maßnahmen wissenschaftlich zu evaluieren und umgehend Vorbereitungen für den Herbst zu treffen". Politisches Handeln fordern auch die Labore. So bedürfe es mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter mehr Planungssicherheit, etwa zu den benötigten Testkapazitäten nach dem Auslaufen der "Nationalen Teststrategie" zum Monatsende.

Ankündigungen des Gesundheitsministers

Neben Warnungen vor dem aktuellen Pandemiegeschehen und regelmäßigen Impfaufrufen hat der Bundesgesundheitsminister konkrete Maßnahmen bisher nur als Plan angekündigt (vgl. "Links zum Thema"). So soll der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) schneller als bisher digitalisiert werden. Für die, so Lauterbach, "überfällige" Modernisierung stünden im Bundeshaushalt 800 Millionen Euro zur Verfügung. Damit der ÖGD für eine Akutphase der Pandemie im Herbst besser als bisher aufgestellt ist, müssten die Mittel zeitnah durch die Bundesländer abgerufen werden. Zusätzlich zur Modernisierung des ÖGD plant Lauterbach die zum 23.09.2022 wegfallenden Pandemieregelungen des Infektionsschutzgesetzes durch ein "Pandemiebekämpfungsgesetz" fortzuschreiben und zu ergänzen - insbesondere mit Blick auf die Impfstrategie und den Einkauf von Impfstoffen.


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