krankenkassen-direkt.de nutzt Cookies, um Ihnen
einen besseren Service zu bieten. Mehr Informationen
OK

Unabhängiges Informations- und Karriereportal für die gesetzliche Krankenversicherung
Donnerstag, 18.07.2019

News & Meldungen

Gesundheits-Apps auf Rezept

Gesetzentwurf vorgelegt: Bessere Versorgung durch Digitalisierung

17.05.2019·Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Mittwoch die Eckpunkte des geplanten "Digitale Versorgung Gesetzes" vorgelegt. Kernpunkte sind der Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA), die Verordnungsfähigkeit von Gesundheits-Apps, die Ausweitung der Telematik-Infrastruktur (TI) und von Videosprechstunden sowie die Digitalisierung von Abläufen. Regelungen zur Lösung bestehender TI-Probleme lässt das Digitalisierungsgesetz offen.

Sowohl das "Terminservice- und Versorgungsgesetz" (TSVG) als auch das "Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung" (GSAV) setzen mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem E-Rezept auf die Digitalisierung von Abläufen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Mit dem "Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation" (Digitale Versorgung Gesetz, DVG) sollen nun weitere Rahmenbedingungen für die Nutzung digitaler Angebote in der Versorgung definiert werden. Konkret geht es um Anwendungen wie digitale Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck, um das Befüllen der elektronischen Patientenakte und die Nutzung von telemedizinischen Angeboten wie Videosprechstunden im Alltag.

Die Regelungen im Einzelnen:

Elektronische Patientenakte (ePA)

Nach den Regelungen des TSVG müssen Krankenkassen ihren Versicherten bis spätestens 01.01.2021 eine elektronische Patientenakte anbieten. Um diese mit Leben zu füllen, erhalten Patienten mit dem DVG einen Anspruch darauf, dass ihre Behandlungsdaten vom Arzt bzw. Krankenhaus in die ePA eingetragen werden. Hierfür erhalten die Mediziner eine separate Vergütung. Versicherte können zudem freiwillig weitere Inhalte in der ePA speichern, z. B. den Impfausweis, den Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder oder das Zahn-Bonusheft. Ab 2022 sollen die ePA-Daten dann auch bei einem Krankenkassenwechsel standardisiert übertragbar sein.

Verordnungsfähigkeit von Gesundheits-Apps

Ärzte sollen Gesundheits-Apps künftig zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben dürfen. Der Zulassungsweg für die Hersteller sieht dazu laut Gesetzentwurf vor, dass die Anwendung nach einer ersten Prüfung der Sicherheit und von Qualitätskriterien wie Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit ein Jahr lang vorläufig von den Kassen erstattet wird. In dieser Zeit muss der Hersteller beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nachweisen, dass das Angebot positive Effekte für die Versorgung hat. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem GKV-Spitzenverband.

Ausweitung der Telematik-Infrastruktur (TI)

Patienten sollen digitale Angebote wie die ePA möglichst bald flächendeckend nutzen können. Darum werden Apotheken bis März 2020 und Krankenhäuser bis März 2021 verpflichtet, sich an die Telematik-Infrastruktur anschließen zu lassen. Optional bleibt der TI-Anschluss für Hebammen und Entbindungspfleger, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen. Die Kosten für die freiwillige TI-Anbindung würden erstattet. Niedergelassenen Ärzten, die nicht an die TI angeschlossen sind, droht ab März 2020 eine Honorarkürzung von 2,5 Prozent.

Die TI-Anbindung niedergelassener Ärzte ist derzeit umstritten. Medienberichten zufolge werden die Anbindungen in offenbar zahlreichen Fällen nicht entsprechend des von der Betreibergesellschaft gematik zertifizierten Verfahrens vorgenommen (vgl. Box "Schwere Sicherheitsmängel"). Dies schaffe Angriffsmöglichkeiten über das Internet auf Praxisrechner. Ärzteverbände haben deshalb eine Haftungsfreistellung gefordert. Andere Verbände raten ihren Mitgliedern, aktuell auf eine TI-Anbindung zu verzichten. Regelungen zur Verifizierung bereits erfolgter TI-Anbindungen beinhaltet der Gesetzentwurf jedoch nicht. Dabei betreffen etwaige Sicherheitsprobleme nur vordergründig das Verhältnis des niedergelassenen Arztes zu seinem jeweiligen IT-Dienstleister. Praktisch können sich Sicherheitslücken und deren Folgen massiv auf das Vertrauen der Versicherten und Patienten in das Gesamtkonzept zur Digitalisierung des Gesundheitswesens auswirken.

Telemedizinische Angebote / Videosprechstunden

Um von Patienten mit Interesse an einer Videosprechstunde besser gefunden zu werden, dürfen Ärzte künftig auf ihrer Internetseite über solche Angebote informieren. Die bisher für eine Videosprechstunde persönlich oder schriftlich notwendige Aufklärung durch den Arzt und die Einwilligung des Patienten kann künftig auch im Rahmen der Videosprechstunde erfolgen. Ärzte haben zudem künftig mehr Möglichkeiten, sich auf digitalem Weg mit Kollegen auszutauschen. Diese sogenannten Telekonsile werden außerhalb des Praxisbudgets vergütet.

Digitalisierung papiergebundener Abläufe

Nach der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem E-Rezept ist im DVG die elektronische Heil- und Hilfsmittelverodnung vorgesehen. Hierzu soll zunächst in Piloprojekten ermittelt werden, wie die Verordnungen zum Beispiel für Physiotherapie digital gespeichert und elektronisch an den Therapeuten übermittelt werden können. Bislang bekommen Ärzte für ein versendetes Fax mehr Geld als für das Versenden eines elektronischen Arztbriefs. Künftig soll das Fax deutlich geringer vergütet werden, um die Attraktivität des elektronischen Arztbriefs zu steigern.

Wer einer gesetzlichen Krankenkasse freiwillig beitreten möchte, kann dies künftig auch elektronisch tun. Und Kassen dürfen ihre Versicherten mit deren Zustimmung über innovative Angebote elektronisch informieren.

Kassen können sich an digitalen Innovationen beteiligen

Patienten sollen möglichst schnell von innovativen Versorgungsansätzen profitieren. Der "Innovationsfonds" wird deshalb bis 2024 verlängert. Die Förderung soll effizienter werden und erfolgreiche Ansätze sollen schneller die Versorgung erreichen. Krankenkassen können sich künftig mit Kapital an der Entwicklung digitaler Innovationen beteiligen. Dafür dürfen sie bis zu zwei Prozent ihrer Finanzreserven aufwenden.

 

Immer aktuell - der kostenfreie GKV-Newsletter:

GKV-Newsletter

Info|Hilfe|Datenschutzerklärung


Termine

Terminhinweis zu den Themen Krankenkasse, Gesundheitspolitik und Karriere in der GKV:

Termine
Weitere News

MDK-Reformgesetz

Abspaltung des Medizinischen Dienstes (MDK) von Krankenkassen beschlossen

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) wird künftig organisatorisch von den Krankenkassen getrennt und soll als unabhängige Körperschaft des öffentlichen...

 

Kabinettsbeschlüsse

Maßnahmen zur Stärkung der "Vor-Ort-Apotheken"

Apotheken sollen künftig mehr Geld für zusätzliche Dienstleistungen und Notdienste erhalten. Außerdem soll für gesetzlich Versicherte künftig der gleiche Preis...

 

Masernschutzgesetz

Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf zur Impfpflicht

Das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegte Gesetz sieht einen verpflichtenden Impfschutz gegen Masern in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder vor. Darüber...

mehr News...