Umfrage

Versicherte sehen Mängel im System der Gesundheitsversorgung

06.12.2023·Die meisten Menschen sind mit der medizinischen Versorgung in Deutschland zwar zufrieden. Doch ein nicht unerheblicher Teil erlebt bereits Defizite. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK). Die erwartbare weitere Verknappung der Ressourcen mache ein zeitnahes Umdenken im Gesundheitswesen notwendig.

Bei der Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland zeigt sich ein geteiltes Bild. Die meisten Menschen geben ein positives Zeugnis. So bewerten 77 Prozent ihre letzten Erfahrungen mit einer Arztpraxis positiv. Doch jeder Vierte (24 Prozent) sieht die Notfallversorgung in der eigenen Region als nicht vollständig gesichert. 35 Prozent der Menschen, die schon einmal pflegebedürftig waren oder einen Menschen gepflegt haben, waren nicht zufrieden mit den Erfahrungen, die sie mit ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen gemacht haben. Und 28 Prozent der Eltern mit Kindern bis 12 Jahren hatten Schwierigkeiten, eine Kinderarztpraxis zu finden. Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung, die das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag der SBK unter 2.022 Teilnehmenden ab 18 Jahren durchgeführt hat.

© SBK
Umfrage: Erfahrungen bei ärztlicher / therapeutischer Versorgung
Auch beim Zugang zur ärztlichen Versorgung schwankt die Zufriedenheit laut Umfrage: 80 Prozent der Versicherten können eine haus- oder allgemeinärztliche Praxis in angemessener Entfernung zu ihrem Wohnort besuchen. Allerdings haben 30 Prozent trotz dringendem Bedarf keinen Facharzttermin in angemessener Zeit erhalten. 37 Prozent der Menschen mit Erfahrungen mit ambulanter oder stationärer Pflege konnten in einer Pflegesituation nicht ausreichend schnell einen Platz im Pflegeheim oder einen Pflegedienst finden.

Doppeluntersuchungen durch fehlenden Informationsaustausch

26 Prozent aller Befragten geben an, dass bei ihnen in kurzen Abständen die gleichen Untersuchungen durchgeführt wurden, da Ergebnisse wie ein Blutbild oder Röntgenaufnahmen nicht von einer Praxis zu anderen weitergegeben worden waren. Wer in den letzten drei Jahren eine OP oder einen Krankenhausaufenthalt in Anspruch nehmen musste, sei noch häufiger mit dem Problem konfrontiert (32 Prozent). Von den Pflegebedürftigen haben laut Umfrage sogar 54 Prozent Erfahrungen mit Doppeluntersuchungen innerhalb kurzer Zeit. Um die knappen Ressourcen des Systems im Sinne der Patienten einzusetzen, sei deshalb ein verlässlicher digitaler Datenaustausch zwischen Leistungserbringern notwendig. Bisher falle diese Vernetzung nicht überall zufriedenstellend aus.

Nachhaltigkeit & Demografie: Ressourcen werden knapper

Die Gesundheitsversorgung sei schon jetzt in einer angespannten Lage, so die BKK. Auf absehbare Zeit werde sich die Überlastung insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ausweiten.
© SBK
Umfrage: Zufriedenheit mit medizinischen Einrichtungen
Arzttermine, Pflegeeinrichtungen oder Zeit für die Patienten im Krankenhaus würden noch knapper. Betroffen wären hiervon nicht nur die Patienten. Auch Ärzte und pflegendes Personal gerieten zunehmend unter Druck. Die SBK fordert daher weitreichende und zeitnahe Reformen, die die Ressourcen des Gesundheitswesens insgesamt entlasten.

Fehlausrichtungen im Gesundheitswesen korrigieren

Im Umgang mit den knapper werdenden Ressourcen sind für die Kasse zwei Punkte zentral:

Aktuell sei das Gesundheitswesen auf Menge und nicht auf Qualität ausgerichtet. Geld, Fachkräfte und Materialien flössen vor allem in aufwendige Therapien und Angebote, die einen hohen Ressourcenverbrauch hätten. Dieser mengenbasierte Verteilungsmechanismus schaffe keine Anreize, nachhaltig zu handeln. Er sollte zu einem qualitätsbasierten Verteilungsmechanismus weiterentwickelt werden. Profitieren sollten insbesondere Therapien, die aus Sicht der Patienten einen hohen und langfristigen Nutzen haben. Voraussetzung dafür sei, die Qualität von Behandlungen über die Erfahrungen der Versicherten zu messen und die Ergebnisse transparent zu machen. So könne eine neue Qualitätsorientierung erreicht werden, bei der die wirksameren Therapien gefördert würden.

Die zweite zentrale Säule einer nachhaltigen Transformation sei ein stärker auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitswesen. Heute gehe es in der Versorgung fast ausschließlich um die Behandlung von Krankheiten. Möglichst viele dieser Krankheiten zu verhindern, ist laut BKK aber der nachhaltigere Weg. Er verringere Leid und schone die Ressourcen des Gesundheitswesens.



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