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Freitag, 16.04.2021

News & Meldungen

Vorstandsvergütungen 2020

Das verdienen die Chefs der Krankenkassen/-verbände, des MDK und der Ärzteorganisationen

02.03.2021·Knapp 150 Institutionen des Gesundheitswesens haben zum 01. März die Vergütungen ihrer Vorstände und Geschäftsführungen für 2020 veröffentlicht. Mit dabei sind die Zahlen der Ersatzkassen, Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Betriebs- (BKK) und Innungskrankenkassen (IKK). Trotz Spitzenverdienste bei den Kassenvorständen bis 354.040,32 Euro und vereinzelnd hoher Steigerungsraten von bis zu 30 Prozent ist der TOP-Verdiener in der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems auch für 2020 erneut in einem anderen Bereich zu finden.

Schon seit 2004 müssen die Vorstandsbezüge jährlich zum 01. März des Folgejahres veröffentlicht werden, seit 2013 gilt darüber hinaus ein sogenannter Genehmigungsvorbehalt der jeweiligen Aufsichtsbehörde. Unter die Meldepflicht fallen sowohl die Grundvergütungen (Fixgehalt) als auch die variablen, erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteile. Weitere Inhalte sind Aufwendungen für Dienstwagen sowie Regelungen zur Altersvorsorge und im Fall des Ausscheidens aus dem Amt.

Knapp 50 Millionen Euro für Vorstände und Geschäftsführer

In Summe haben Krankenkassen, MDK und Kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen im Jahr 2020 alleine für die Vorsitzenden der bis zu dreiköpfigen Vorstände bzw. Geschäftsführungen nach den aktuellen Veröffentlichungen einen Gesamtbetrag von 28,6 Millionen Euro aufgewendet. Auf die Kassen entfallen hiervon 15,15 Millionen Euro, auf die Kassenverbände 1,53 Millionen Euro, auf den MDK/MDS 2,62 Millionen Euro, auf die KBV/KVn 5,02 Millionen Euro und auf die KZBV/KZVn 4,25 Millionen Euro. Rechnet man die für 2020 veröffentlichten Bezüge aller Mitglieder der Vorstände/Geschäftsführungen zusammen, ergibt sich eine Summe von 49,16 Millionen Euro (Kassen: 20,73 Millionen Euro, Kassenverbände: 2,29 Millionen Euro, MDK/MDS: 4,19 Millionen Euro, KBV/KVn: 11,29 Millionen, KZBV/KZVn: 10,66 Millionen Euro). Berücksichtigt hierbei wurden alle Meldungen, die fristgerecht zum 01.03. im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, ergänzt um die Nachmeldung der SBK vom 08.03.2021.

Nicht mitgerechnet sind bei den Summen die Betriebskrankenkassen ohne Veröffentlichungspflicht (vgl. unten) sowie Institutionen, die die Bezüge Ihrer Vorstände bzw. Geschäftsführer nicht gemeldet haben (darunter wie im Vorjahr der IKK e.V. und der BKK Dachverband).

Aktuelles Ranking nach Krankenkassen

Alleine im Rahmen ihrer fixen und variablen Vergütungen lagen die TOP 10 der Kassenchefs im Jahr 2020 alle über 245.000 Euro, drei von ihnen über 300.000 Euro. Hinzu kommen jeweils Nebenleistungen wie Altersvorsorgeaufwendungen und PKW.

Eine vollständige Übersicht aller aktuell von den Krankenkassen veröffentlichten Bezüge für 2020 und die Vorjahre finden Sie inklusive der Steigerungsraten im Thema "Krankenkassen" (vgl. Box und "Links zum Thema"). Die Angaben in der Übersicht wurden zur Vergleichbarkeit auf Jahreswerte hochgerechnet, sofern die Veröffentlichung - z. B. durch einen Wechsel im Vorstand - Teilzeiträume beinhaltet.

Nach den aktuell vorliegenden Meldungen haben sich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände in 11 Fällen negativ entwickelt. In sechs Fällen betrug der Zuwachs dagegen deutlich über zehn Prozent, in einem Fall über 30 Prozent. Unterschiede gab es auch bei der Zusammensetzung der Bezüge - nur in 53 von 87 Fällen wurde ein variabler, erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteil gezahlt.

Die Top-Bezüge bei Krankenkassen im Jahr 2020
ab 240.000 Euro (Steigerung zum Vorjahr)

TK: 354.040,32 Euro (3,00 Prozent)
BARMER: 315.631,00 Euro (3,00 Prozent)
DAK: 309.554,52 Euro (2,50 Prozent)
SBK: 285.586,50 (3,09 Prozent)
AOK Bayern: 262.880,00 Euro (7,24 Prozent)
AOK Niedersachsen: 261.000,75 Euro (2,98 Prozent)
KKH: 254.040,00 Euro (7,00 Prozent)
AOK BW: 250.000,00 Euro (-9,58 Prozent)
IKK classic: 248.925,00 Euro (0,40 Prozent)
AOK Rheinland/Hamb.: 247.465,79 Euro (4,54 Prozent)
VIACTIV: 246.672,69 Euro (1,05 Prozent)
AOK Hessen: 245.815,00 Euro (4,09 Prozent)

Höchste Steigerungsraten

IKK - Die Innovationskasse*: 198.939,32 Euro (+30,28 Prozent)
BKK KBA: 111.000,00 Euro (+25,00 Prozent)
BIG: 225.150,00 Euro (+18,50 Prozent)
Continentale BKK: 156.100,00 Euro (+15,63 Prozent)
SECURVITA: 140.000,00 Euro (+12,00 Prozent)
BKK PwC: 145.200,00 Euro (+11,77 Prozent)
BAHN-BKK: 208.625,00 Euro (+9,44 Prozent)
AOK RP/Saarland: 230.402,97 Euro (+8,74 Prozent)
BKK HMR: 110.368,00 Euro (+8,02 Prozent)
AOK Sachsen-Anhalt: 210.750,00 Euro (+7,98 Prozent)
AOK Bayern: 262.880,00 Euro (+7,24 Prozent)

*) bis 01.02.2021 "IKK Nord"

Von der Meldepflicht ausgenommene Krankenkassen

Die Pflicht zur Veröffentlichung der Vorstandsbezüge gilt nicht für alle Krankenkassen. Betriebskrankenkassen, deren Personalkosten ausschließlich vom Trägerunternehmen und damit nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden, müssen die Vorstandsvergütungen nicht veröffentlichen. Dies trift aktuell für folgende Kassen zu: BKK Krones, BKK B. Braun Aesculap, BKK Deutsche Bank AG, BKK EVM, BKK Grillo Werke, BKK Groz-Beckert, Karl Mayer, BKK Miele, BKK MTU Friedrichshafen GmbH, BMW BKK, Daimler BKK, Merck BKK, BKK Salzgitter, Südzucker BKK.

Fehlende Transparenz: Mehrfacheinkünfte und variable Vergütungen
Mehrfacheinkünfte/Ämterhäufung:

Werden Krankenkassen in Personalunion durch einen gemeinsamen Vorstand vertreten, so wird dessen Vergütung nicht kumuliert, sondern nur für jede Kasse einzeln veröffentlicht. Personalunionen gab es 2020 z. B. zwischen der BKK Salzgitter und den kleineren BKKn public und TUI. Die hierbei für die kleineren Kassen relativ geringen Bezüge verstehen sich für den Vorstand also in Summe mit der Vergütung der jeweils größeren Kasse.

Variable Vergütungsbestandteile:

Einen wesentlichen Teil der Gesamtvergütung können variable Vergütungsbestandteile wie Prämien und Sonderzahlungen ausmachen. Welche Ziele zur Auszahlung der variablen Vergütungsbestandteile erreicht werden müssen, bleibt bei der Veröffentlichungspflicht jeweils unberücksichtigt. Nach den aktuellen Veröffentlichungen erhielten die Vorstandsvorsitzenden bzw. Alleinvorstände folgender Kassen im Jahr 2020 die höchsten variablen Vergütungsbestandteile (absolut, ab 50 TEUR):

SBK: 113.866,50 Euro
Audi BKK: 66.000,00 Euro
Salus BKK: 56.575,38 Euro
AOK Niedersachsen: 52.506,00 Euro
BKK VBU: 52.200,00 Euro
pronova BKK: 51.000,00 Euro
AOK Bayern: 50.880,00 Euro
AOK BW: 50.000,00 Euro

Die vollständige Liste finden Sie unter "Links zum Thema"

Die gesetzliche Meldepflicht bezieht sich nicht nur auf die Krankenkassen, sondern auch auf andere - mittelbar durch Beitragsgelder finanzierte - Körperschaften und Institutionen des Gesundheitswesens, z. B. die Kassenverbände, die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK/MDS) sowie die Abrechnungsstellen der Ärzte und Zahnärzte.

Verbände der Krankenkassen
Bezüge der Vorstandschefs/GF 2020 inkl. Steigerungsrate

GKV-Spitzenverband: 311.728,00 Euro (+18,98 Prozent)
AOK BV: 268.400,00 Euro (+3,47 Prozent)
vdek (Ersatzkassen): 225.000,00 Euro (+2,27 Prozent)
BKK Dachverband: keine Angaben bzw. Veröffentlichung
BKK LV Bayern: 224.200,00 Euro (+1,63 Prozent)
BKK LV Mitte: 158.340,00 Euro (+3,43 Prozent)
BKK LV Nordwest: 183.600,00 Euro (+2,00 Prozent)
BKK LV Süd: 160.000,00 Euro (-19,37 Prozent)
IKK e.V.: keine Angaben bzw. Veröffentlichung

Medizinische Dienste der Krankenversicherung (MDK/MDS)
Bezüge der Geschäftsführer 2020 inkl. Steigerungsrate

Med. Dienst des Spitzenverbandes (MDS): 194.350,00 Euro (+1,41 Prozent)
Baden-Württemberg: 185.061,46 Euro (-0,03 Prozent)
Bayern: 211.699,00 Euro (+2,92 Prozent)
Berlin-Brandenburg: 170.040,96 Euro (-8,13 Prozent)
Bremen: 128.763,00 Euro (+2,56 Prozent)
Hessen: 174.040,01 Euro (+3,00 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 157.785,50 Euro (+2,57 Prozent)
Niedersachsen: 108.493,00 Euro (+3,19 Prozent)
Nord: 141.832,53 Euro (+2,50 Prozent)
Nordrhein: 164.107,98 Euro (+2,57 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 186.558,60 Euro (+16,65 Prozent)**
Saarland: 140.731,42 Euro (+2,53 Prozent)
Sachsen: 159.000,00 Euro (+4,23 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 166.307,18 Euro (+9,41 Prozent)
Thüringen: 185.925,98 Euro (+18,81 Prozent)***
Westfalen-Lippe: 147.684,14 Euro (-5,33 Prozent)

**) Neubesetzung nach längerer Vakanz
***) inklusive Auszahlung von 25.925,98 Euro als variable Vergütung für 2019

Ärztevertreter erneut TOP-Verdiener

Innerhalb der Selbstverwaltung des Gesundheitsystems ist für 2020 erneut der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, der TOP-Verdiener. Gassen übt das Amt seit 01.03.2014 aus. Laut KBV beinhaltet die Gesamtvergütung insgesamt 36.497,93 "Fahrtkosten" (2019: 23.977,31 Euro) als variabler Vergütungsbestandteil. Die Grundvergütung liegt damit bei 358.368,80 Euro (2019: 347.876,60 Euro) und damit knapp über der des Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse (TK), Dr. Jens Baas (354.040,32 Euro, 2019: 343.728,48 Euro).

Kassenärztliche Vereinigungen (KVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2020 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KBV): 394.866,73 Euro (+6,19 Prozent)
Baden-Württemberg: 277.500,00 Euro (+0,0 Prozent)
Bayern: 315.697,30 Euro (+1,65 Prozent)
Berlin: 239.837,89 Euro (-1,90 Prozent)
Brandenburg: 306.217,13 Euro (+8,38 Prozent)
Bremen: 300.625,11 Euro (+7,79 Prozent)
Hamburg: 270.806,52 Euro (+1,20 Prozent)
Hessen: 280.000,00 Euro (+6,87 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 233.200,00 Euro (+0,00 Prozent)
Niedersachsen: 286.125,00 Euro (-9,52 Prozent)****
Nordrhein: 254.276,37 Euro (-5,82 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 246.114,00 Euro (+6,60 Prozent)
Saarland: 267.000,00 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen: 289.200,00 Euro (+9,55 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 272.669,76 Euro (+1,90 Prozent)
Schleswig-Holstein: 265.132,98 Euro (+1,87 Prozent)
Thüringen: 240.000,00 Euro (+0,0 Prozent)
Westfalen-Lippe: 282.880,00 Euro (+3,30 Prozent)

****) Vorjahr: +16,05 Prozent, inkl. Jubiläumszuwendung

Kassenzahnärztliche Vereinigungen (KZVn)
Bezüge der Vorstandsvorsitzenden 2020 inkl. Steigerungsrate

Bundesvereinigung (KZBV): 325.162,80 Euro (+0,49 Prozent)
Baden-Württemberg: 247.018,00 Euro (+5,22 Prozent)
Bayern: 290.353,32 Euro (+3,66 Prozent)
Berlin: 234.526,97 Euro (+2,00 Prozent)
Brandenburg: 196.368,00 Euro (+0,00 Prozent)
Bremen: 226.248,00 Euro (+3,12 Prozent)
Hamburg: 180.576,00 Euro (+0,00 Prozent)
Hessen: 230.152,00 Euro (+2,50 Prozent)
Mecklenburg-Vorpommern: 213.330,65 Euro (+4,82 Prozent)
Niedersachsen: 230.400,00 Euro (+0,00 Prozent)
Nordrhein: 274.152,00 Euro (-1,17 Prozent)
Rheinland-Pfalz: 275.000,00 Euro (+1,31 Prozent)
Saarland: 179.921,88 Euro (+0,00 Prozent)
Sachsen: 220.000,00 Euro (+2,33 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 243.476,64 Euro (+6,57 Prozent)
Schleswig-Holstein: 204.036,33 Euro (+5,72 Prozent)
Thüringen: 236.831,04 Euro (+0,00 Prozent)
Westfalen-Lippe: 242.392,68 Euro (+4,02 Prozent)Aktualisierungen:
08.03.2021 (Nachmeldung der SBK im Bundesanzeiger)
09.03.2021 (Berichtigungsmeldung der SBK im Bundesanzeiger)

 

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