BARMER|27.10.2026

PRESSEMITTEILUNG

Barmer-Krankenhausreport 2026: Drohende Überlastung der Notaufnahmen - Notfallreform benötigt mehr Verbindlichkeit

Berlin (kkdp)·Kernergebnisse des Krankenhausreports

Pro Krankenhaus ist die Anzahl der ambulanten Notfallbehandlungen innerhalb von zehn Jahren um durchschnittlich 8,7 Prozent gestiegen.

Seit dem Jahr 2015 hat sich die Anzahl ambulanter Notfallbehandlungen in jedem zehnten Krankenhaus mehr als verdoppelt. In weiteren zehn Prozent der Häuser gab es einen Zuwachs um etwa die Hälfte.

BARMER-Chef Straub: "Die Überlastung der Notaufnahmen durch nicht dringliche Notfälle gefährdet die Patientenversorgung. Eine regelhaft zu nutzende telefonische Ersteinschätzung mit perspektivisch digitaler Unterstützung und verbindlicher Steuerung in die richtige Versorgungsebene, inklusive Terminvergabe, ist unerlässlich. Um die Notaufnahmen zu entlasten, ist es aber auch zwingend erforderlich, dass die ambulanten Versorgungsstrukturen, das heißt die vertragsärztlich tätigen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, diese Patientinnen und Patienten übernehmen."

Studienautor Grandt: "Eine Aufklärungskampagne, die Patientinnen und Patienten darüber informiert, wie Versorgungswege für medizinische Notfälle organisiert sind und an wen sie sich wann wenden sollen, ist ein wichtiger und notwendiger, aber noch fehlender Bestandteil der Notfallreform."

In deutschen Krankenhäusern hat sich die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen binnen zehn Jahren im Schnitt um 8,7 Prozent erhöht. In jeder zehnten Klinik ist sie dabei auf mehr als das Doppelte angewachsen und in jeder weiteren zehnten Einrichtung um beinahe 50 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausreport der BARMER hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. "Die steigenden Fallzahlen ambulant behandelter Patientinnen und Patienten im Krankenhaus sind ein Grund für überlastete Notaufnahmen. Doch bei weitem nicht jeder vermeintliche Notfall ist tatsächlich einer. Es muss deshalb sichergestellt werden, dass die Betroffenen in die richtige Versorgungsebene gelotst werden. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass diese ambulanten Versorgungsstrukturen, das heißt die vertragsärztlich tätigen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, die Patientinnen und Patienten übernehmen", sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

Notfallreform greift zu kurz

Mit Blick auf die kürzlich beschlossene Notfallreform spricht sich BARMER-Chef Straub für eine vorgeschaltete telefonische Ersteinschätzung mit verbindlicher Steuerung in die Versorgung aus. Dies würde das Problem überfüllter Notaufnahmen deutlich entschärfen. "Bevor die Patientinnen und Patienten in die Notaufnahme kommen, muss es eine verpflichtende telefonische und in Zukunft digital unterstützte Ersteinschätzung geben. In diesem Zuge sollten sie verbindlich in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden und einen Termin bekommen. Die Notfallreform greift an dieser Stelle zu kurz, weil sie die Ersteinschätzung zwar vorsieht, aber nicht zwingend vorschreibt. Ohne eine klare Vorgabe ist der Erfolg der Reform fraglich", so Straub. Darüber hinaus sei es notwendig, dass eine verstärkte aufsuchende Versorgung der Patientinnen und Patienten im häuslichen Umfeld erfolge und nichtärztliche Gesundheitsberufe in Pflegeheimen erweiterte Kompetenzen bei der Versorgung von Pflegebedürftigen erhielten. Dies entlaste die Notfallversorgung ebenfalls.


Aufklärungskampagne erforderlich

Wie aus dem Krankenhausreport weiter hervorgeht, ist die Zahl der behandelten ambulanten Notfälle über alle versorgenden Kliniken hinweg zwischen den Jahren 2015 und 2024 von 12,3 auf 12,7 Millionen gestiegen. Dabei zeigt sich allerdings, dass die Belastung für die Kliniken nicht überall gleich stark zugenommen hat. Während die Fallzahl in zwei von fünf Krankenhäusern um 39 Prozent gestiegen ist, ist sie in weiteren zwei von fünf Einrichtungen um 26 Prozent gesunken. "Bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten bedarf es einer klaren Steuerung. Das allein reicht aber noch nicht aus. Ein notwendiger Bestandteil der Reform muss daher auch eine Aufklärungskampagne für die Patientinnen und Patienten sein, die darüber informiert, wie Versorgungswege für medizinische Notfälle organisiert sind", fordert Studienautor Prof. Dr. med. Daniel Grandt.

Massive regionale Unterschiede

Die im Krankenhausreport ermittelten regionalen Unterschiede seien nicht durch sachliche Gründe erklärbar, so Studienautor Grandt weiter. In Relation zur Einwohnerzahl haben laut Report im Jahr 2024 Krankenhäuser in Baden-Württemberg 50 Prozent mehr ambulante Notfälle behandelt als im Bundesdurchschnitt. In den Kliniken in Thüringen hingegen lag die Quote knapp 22 Prozent unter dem Mittelwert. Die Inanspruchnahme ambulanter Notfallbehandlungen im Krankenhaus hat sich regional auch sehr unterschiedlich entwickelt. Während sie zwischen den Jahren 2015 und 2024 in Bremen und Berlin um 15 beziehungsweise 14,6 Prozent gesunken ist, ist sie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz um 18,7 und 19,9 Prozent gestiegen. "Die erheblichen regionalen Unterschiede bei der Zahl ambulanter Notfälle im Krankenhaus sind weder demographisch noch medizinisch erklärbar", sagt Grandt.

Q&A

Wie hat sich die Zahl der an der Notfallversorgung beteiligten Krankenhäuser entwickelt?

Die Zahl ist zwischen den Jahren 2015 und 2024 von 1.614 auf 1.536 gesunken. Berücksichtigt wurden hierbei Krankenhäuser, die mindestens 50 ambulante Notfallbehandlungen pro Jahr durchgeführt haben. Dieser skizzierte Rückgang korreliert mit dem Rückgang der Gesamtzahl von Krankenhäusern in Deutschland.

Auf welcher Datengrundlage basiert der Krankenhausreport?

Die Grundlage der Analysen bilden die BARMER-Routinedaten von rund 8,5 Millionen Versicherten der Jahre 2015 bis 2024. Um Aussagen für die deutsche Gesamtbevölkerung zu ermöglichen, wurden die ausgewiesenen Werte auf die Bevölkerung Deutschlands im jeweiligen Jahr hochgerechnet. Die ambulanten Notfälle wurden durch Gebührenordnungsziffern in den Abrechnungsdaten der Ärztinnen und Ärzte identifiziert, unter anderem 01205, 01207, 01210 oder 01212.

Pressekontakt:

Athanasios Drougias
Leiter Unternehmenskommunikation
Telefon: 0800 333004991421
E-Mail: athanasios.drougias@barmer.de


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