Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft|12.10.2026

PRESSEMITTEILUNG

Krankenkassen: Neustart des Gesundheitssystems könnte Finanzlücke langfristig schließen

München (kkdp)·12.10.2026

Mehr Effizienz, Prävention und Eigenverantwortung könnten moderne Medizin für alle gesetzlich Versicherten sichern.
Ohne weitere Reformen würden bis 2035 rund 142 Milliarden Euro fehlen.
Fokus muss auf Senkung der Ausgaben liegen.

Eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich. Sie erfordert jedoch erhebliche Anstrengungen über die bisherigen Maßnahmen hinaus. Mit 16 ambitionierten Reformen für ein effizienteres Gesundheitswesen, mehr Prävention und stärkere Eigenverantwortung könnten die Krankenkassen bis 2035 ein Plus von 126 Milliarden Euro erwirtschaften, ohne auf modernste Behandlungsmethoden zu verzichten, wie die aktuelle Studie "Gesundheitsfinanzen am Scheideweg" von Deloitte zeigt. Durchschnittliche Versicherte würden 2035 in diesem Szenario knapp 1600 Euro weniger pro Jahr für ihre gesetzliche Krankenversicherung bezahlen als 2026.

Die Studie unterscheidet dabei zwischen der ambitionierten und weniger ambitionierten Umsetzung von 16 unter Expertinnen und Experten vielfach diskutierten Reformen. Zudem wird die künftige medizinisch-technische Entwicklung in zwei Szenarien betrachtet: Für das Innovationsmodell werden deutlich höhere Kosten durch moderne, zunehmend personalisierte Therapien zu Grunde gelegt. Im Basismodell ist die Entwicklung vergleichbar mit den vergangenen Jahren.

Stabile Finanzen ohne umfassende Reformen nicht möglich

Sollte es nicht zu weiteren Reformen kommen, fehlen den gesetzlichen Krankenkassen der Modellierung zufolge bis 2035 rund 142 Milliarden Euro. "Durch das jüngste Gesetz zur Beitragsstabilisierung wächst das Defizit zwar langsamer, doch diese Effekte laufen bis 2030 aus", sagt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner bei Deloitte und verantwortlich für den Bereich Gesetzliche Krankenkassen und Gesundheitssystem. "Unser Gesundheitssystem muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden, um eine moderne Medizin für alle gesetzlich Versicherten sicherzustellen. Die Reformen dafür müssen jetzt beschlossen werden, damit sie ab 2030 ihre Wirkung entfalten können."

Eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung gelingt weniger durch steigende Einnahmen als vielmehr durch eine Senkung der Ausgaben. Hier lassen sich 71 Prozent der Einsparungen bis 2050 erzielen - mehr als die Hälfte davon durch Maßnahmen wie die Stärkung von Prävention, den Fokus auf Behandlungsergebnisse, die enge Verzahnung von medizinischen Einrichtungen und Krankenkassen sowie eine flächendeckende KI-Infrastruktur, um kostspielige Mehrfachbehandlungen zu vermeiden und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Konsumsteuern auf Alkohol, Tabak und Zucker können die GKV-Finanzen sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite entlasten.

"Ein längeres gesundes Leben entlastet das Gesundheitssystem", sagt Elbel. "Wer den Zugang zu medizinischen Innovationen erhalten und Leistungskürzungen vermeiden will, muss die Bedeutung von Prävention für die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung ernst nehmen. Zusammen mit strukturellen Reformen und einer umfassenden KI-Nutzung kann der Neustart des Systems gelingen."

Eine politisch weniger ambitionierte Umsetzung der 16 Reformen erzielt bei einer innovativen Entwicklung der Medizin keine langfristige Stabilisierung der GKV-Finanzen, wie die Studie zeigt. Das Defizit würde unter diesen Voraussetzungen im Jahr 2035 rund 61 Milliarden Euro betragen. Bis 2040 würden der demografische Wandel und innovative Behandlungsmethoden das Defizit auf 118 Milliarden Euro ansteigen lassen.

Hier geht es zu der Studie Gesundheitsfinanzen am Scheideweg.

Pressekontakt:

Christian Gressner
Phone: +49 89 29036 5101
Mobile: +49 (0) 151 182 94129
cgressner@deloitte.de


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